20 Juni 2014

Selbstdarstellung: Wer ist die FARC-EP?


Wer ist die FARC-EP? (Eine übersetzte Selbstdarstellung der Friedensdelegation der FARC-EP von Englisch auf Deutsch What about the FARC; dieser Artikel findet sich auch unter der Rubrik Historie)

Wer ist die FARC-EP?

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (FARC-EP) ist eine politisch-militärische Organisation, kolumbianische Aufständische, stolze Subversive. Wir haben nichts mit Kriminalität oder Banditen zu tun.

Wir sind marxistisch-leninistisch und bolivarisch, Kommunisten, nicht „pro-sowjetisch“ oder „pro-castristisch“, obwohl wir uns mit den Grundsätzen der beiden Revolutionen identifizieren, insbesondere mit der kubanischen Revolution, die die Welt mit Stolz und Würde erleuchtete. Darüber hinaus sind diese Begrifflichkeiten Teil der Kalten Krieg Terminologie.

Wir verwenden Pseudonyme als unsere „Kampfnamen“, was in der Regel der Name eines hervorragenden Kameraden oder geliebten Menschen ist. Der Begriff „alias“, wie er von der bürgerlichen Presse verwendet wird, hat negative Konnotationen und bezieht sich auf Banditen oder Kriminelle, die wir nicht sind.

Wir haben nie entführt. Wenn wir eine Person festgenommen haben, dann in der Regel wegen seiner Weigerung, revolutionäre Steuern zu zahlen, wir nennen es eine „finanzielle Inhaftierung“, nicht Entführung. Im Februar 2012 trafen wir die souveräne Entscheidung diese finanziellen Verhaftungen zu beenden.

Die Verhaftungen aus politischen Gründen können ebenso wenig als Entführung angesehen werden, sie sind Formen der Ausübung von Volksjustiz, vor allem gegen korrupte Politiker. Es ist die Umsetzung unseres Gesetzes 003 gegen die Korruption.

Im Kampf festgenommene Militärs und Polizisten werden auch nicht entführt, sondern sie werden nach den internationalen Gesetzen Kriegsgefangene genannt.

Als Volksarmee führen wir Militäraktionen gegen den Klassenfeind und seinen Repressionsapparat durch. Unsere Maßnahmen zielen nie darauf ab, die Zivilbevölkerung zu schaden. Generell werden unsere Aktionen als Teil ihrer kriegerischen Desinformation durch die Massenmedien als Angriffe gegen die Bevölkerung präsentiert.

Es ist bemerkenswert: Für die Massenmedien gibt es zwei Klassen von im Kampf Gefallenen, unsere sind Opfer, im Kampf gefallen, während ihre ermordet oder getötet werden.

Wir haben eine Gesetzgebung, die Unterordnung unter dem höheren Befehl und eine feste Befehlskette, diese Struktur und all die Eigenschaften legitimieren uns als kriegführende Kraft, abgesehen von der Unterstützung der Bevölkerung, die wir haben. Es ist absolut falsch, dass wir isoliert sind oder dass wir unsere politische Linie verloren haben.

Der Drogenhandel ist ein tödliches Problem für die Allgemeinheit, eine Eigenheit des Kapitalismus, in dem es darum geht, einfach und schnell Geld zu verdienen. Unsere Theorie und unsere Praxis zeigen, dass wir damit nichts zu tun haben. Aus dem Pentagon, verfolgen die Nordamerikaner eine Politik ihrer lokalen Vasallen und nutzen den Drogenhandel als eine Entschuldigung für ihre neuen Kolonisierungspläne.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema in den desinformierenden Medien ist der Terrorismus. Es gibt keine Definition davon. Der große spanische Dramatiker und Schriftsteller Alfonso Sastre definiert die Situation sehr gut, wenn er sagt, dass der Widerstand der schwachen Terrorismus genannt wird, während die Empörung der Mächtigen als Gerechtigkeit benannt wird.

Der Guerillakampf ist ein legitimer Weg für die der Eroberung der Rechte von Menschen. In unserem Fall, hat der gewalttätige und repressive Charakter der Regierung, auf Befehl der Vereinigten Staaten, uns keine andere Wahl gelassen und seit dem Moment, als wir unseren Kampf begannen, haben sich die Gründe für die Auseinandersetzung nicht nur noch nicht gelöst, sondern sie sich erhöht.

Unser Ziel ist nicht der Krieg. Das ist es, warum wir immer unser Banner und unsere Vorschläge für den Frieden hochgehalten haben. Der Staat, die herrschende Klasse, das Weiße Haus und die verschiedenen Regierungen haben immer wieder die Versuche, den Frieden durch einen Dialog zu finden, unterbrochen, wenn ihnen bewusst wurde, dass eine bedingungslose Kapitulation der Guerilla, wie sie es vorgeben, nicht möglich geworden ist.

Nun gibt es einen neuen Versuch. Wir unterstützen ihn mit Sicherheit und Glauben. Es ist möglich eine Lösung zu finden, wenn die Ursachen des Krieges gelöst werden.

Friedensdelegation der Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee

14 Juni 2014

Kommunistische Parteien grüßen FARC-EP

Zum 50-jährigen Bestehen grüßen kommunistische Parteien und Organisationen aus aller Welt die FARC-EP. Anbei veröffentlichen wir die Grußbotschaft, die von der Webseite Redglobe übernommen wurde:

"Aus Anlass der Vollendung von 50 Jahren Kampf am 27. Mai richten wir einen herzlichen und solidarischen Gruß an die FARC-EP, ihr Zentrales Oberkommando und Sekretariat, an die Klandestine Kommunistische Partei Kolumbiens und an die Bolivarische Bewegung für ein Neues Kolumbien, die vom Marxismus-Leninismus inspiriert einen unermüdlichen Kampf für die Rechte der Arbeiterklasse, der armen Bauern, der Jugendlichen und der Frauen, einen Kampf für den Sozialismus führen.
Wir ehren das Andenken Manuel Marulandas, der kommunistischen und kämpferischen Gründer und Märtyrer in den Kommandos und Kampfeinheiten, die in diesen Jahrzehnten ihr Leben für die Interessen des Volkes und der Arbeiter, für die Freiheit und ein Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gegeben haben.
Wir unterstützen die Anstrengung der FARC-EP um eine politische Lösung des gesellschaftlichen und bewaffneten Konflikts, die die Rechte und Freiheiten der Arbeiter und des Volkes garantieren wird. Wir sind solidarisch mit dem Kampf des kolumbianischen Volkes für ein neues Kolumbien ohne Hunger, mit Arbeit, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Bildung für alle. Wir fordern, dass alle politischen Gefangenen in den Gefängnissen Kolumbiens und der USA freigelassen werden.
Wir unterstützen das Recht aller Völker, die Kampfformen auszuüben, die sie selbst wählen, und die Macht einzufordern. Wir lehnen die Charakterisierung dieses Rechts als Terrorismus durch den Imperialismus und die bürgerlichen Kräfte ab.
Wir entsenden unseren Gruss allen Mitgliedern der FARC-EP in den Urwäldern, Bergen, auf den Feldern, in den Arbeitsstätten, Schulen, Gefängnissen oder in der Friedensdelegation, die den Kampf für ihre vor 50 Jahren formulierten Ziele und Ideale fortsetzen."

Unterzeichner:
Algerische Partei für Demokratie und Sozialismus (PADS); Kommunistische Partei Australiens (CPA); Brasilianische Kommunistische Partei (PCB); Patriotische Bewegung Manuel Rodríguez (MPMR) Chile; Deutsche Kommunistische Partei (DKP); Kraft der Revolution (FR) Dominikanische Republik; Kommunistische Partei Ecuadors (PCE); Kommunistische Partei El Salvadors (PCES); Pol der kommunistischen Wiedergeburt Frankreichs (PRCF); Union der revolutionären Kommunisten Frankreichs (URCF); Kommunistische Partei Griechenlands (KKE); Kommunistische Partei Italiens (PCI); Kommunistische Partei Kanadas (CPC); Kommunistische Partei Mexikos (PCM); Sozialistische Volkspartei (PPS) Mexiko; Partei der Arbeit (PdA) Österreich; Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF); Kommunistische Arbeiterpartei Russlands (RKRP); Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens (NKPJ) Serbien; Kommunistische Partei der Völker Spaniens (PCPE); Kommunistische Partei der Türkei (TKP)

Link Redglobe 

13 Juni 2014

Afro-Gemeinden im Widerstand


Die Karibikküste, aber vor allem die Pazifikküste Kolumbiens, sind Regionen, in der eine große Anzahl von Gemeinden von Afroamerikanern leben. Von Tumaco im Süden über Buenaventura in Valle del Cauca bis hoch in das Department Chocó sind die Gemeinden der Afro´s zu Hause. Die Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die besonders im 17. und 18. Jahrhundert über die Schiffswege ihrer Heimat entrissen und von Europäern zur Plantagenarbeit gezwungen wurden, haben zwar in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgreich für ihre Anerkennung und Selbstbestimmung gekämpft, doch noch immer gibt es Benachteiligung, Unterdrückung und fehlende Autonomie.

Unter anderem das Department Chocó, im Nordwesten Kolumbiens an der Grenze zu Panama und zum Pazifik gelegen, gehört zu den ärmsten und unterentwickelten Regionen des Landes. Kein Zufall besteht in dem Zusammenhang, dass ausgerechnet in einer der ärmsten Regionen rund 80 Prozent aller Afrokolumbianer zu Hause sind. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze und in permanenter Misere. Sie sind ausgeschlossen von kolumbianischen Sozial- und Fürsorgesystem. Stattdessen sind Vertreibung vom Land, strukturelle Ungleichbehandlung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung.

Es ist paradox, denn im Gegenteil dazu gehört der Chocó zu den naturreichsten Regionen des Landes mit einer immensen Anzahl an natürlichen Ressourcen, wie Flora, Fauna, Wasser und Bodenschätzen. Der Chocó gibt unzählige Flüsse, Wälder, ertragreiche Böden, aus der Region werden Gold, Fisch, Energie und Holz exportiert, während Hunger, Misere, Vertreibung, Gewalt und Tod für die Bevölkerung, für die Afrokolumbianer übrig bleiben. Nur eine Minderheit, der Teil der Oligarchie, profitiert vom Reichtum des Chocó. Die Gewalt und Ungerechtigkeit zeigt sich am deutlichsten bei den Zahlen der Binnenflüchtlinge im Land. Von den insgesamt 4 Millionen in ganz Kolumbien sind mehr als ein Drittel aus dem Chocó. 

So alt wie der soziale Konflikt der Afrokolumbianer ist, so alt ist auch der Widerstand. Afrikaner wurden wie Tiere gejagt und nach Lateinamerika verfrachtet. Afrikaner hatten keine Rechte und wurden zur Arbeit gezwungen. Palenques, sogenannte Gemeinden von geflohenen Sklaven, entstanden auch an der kolumbianischen Küstenregion. Meist waren sie in schwer zugänglichen Gegenden im Dschungel angelegt. Zu den palenques kam man nur über geheime Pfade und durch Sümpfe. Befestigt waren die palenques mit Palisaden, oftmals dienten diese Dörfer als Verpflegung- und Trainingslager für Kämpfe gegen die Ausbeuter und Unterdrücker.

Benkos Bioho gilt als einer der ersten und bekanntesten aufständischen Afro´s. Aus Cartagena de Indias von den Sklavengaleeren geflohen, versteckter er sich in den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts mit 30 Männern und Frauen in der Region Arabuco und Ciénaga, wo er zwei kleine spanische Expeditionsarmeen besiegte. Er ließ sich in einem palenque namens San Basilo nieder. Von hier aus forderte er die spanischen Kolonialherren heraus, die immer größere Truppen gegen ihn aufbieten mussten. Schließlich erreichte er in Verhandlungen, dass keine Weißen, außer der Priester, dort leben durften. San Basilo wurde zum Symbol des Widerstandes und zum ersten freien Dorf Amerikas.

In vielen kolumbianischen Regionen kam es immer wieder zu Aufständen, wie in Zaragoza (Antioquia) 1598. Doch auch in Marinilla, Río Negro und Giradota kam es im Jahr 1706 zu Rebellionen. In Popayán erreichte das palenque von Castillo Berühmtheit und im Jahr 1703 die Aufstände in der Nähe von Santa Marta an der Karibikküste. Doch auch im Chocó kam es zu regelmäßigen Unmutsbekundungen und Aufständen. Mit der Zeit sorgten die Einheit und der Anteil der Afro´s an den Unabhängigkeitskämpfen für eine erste formelle Freiheit, die in der Konstitution von 1821, der spanischen Unabhängigkeit, zum Ausdruck kamen.

Die wichtigsten Schritte zu einer Gleichberechtigung und Anerkennung der Afro´s als Kolumbianer wurden jedoch später gelegt. Zwar kam es mit dem Gesetz 21 von 1851 zum Verbot der Sklaverei, doch erst mit dem Gesetz 70 von 1993 wurde den Afrokolumbianern eine kulturelle Autonomie, die Anerkennung ihrer Kultur, ihrer Territorien, ihrer Rechte und Gleichheit gebilligt. In den vergangenen Jahren seit der Verabschiedung kam es immer wieder zu Modifikationen und zu Kämpfen der Afrokolumbianer, das Gesetz den Bedürfnissen der Afro´s anzugleichen. Doch zwischen Theorie und Praxis besteht oftmals ein Unterschied, so auch bei der sozialen Situation der Afrokolumbianer.

Der Widerstand der Afrokolumbianer drückt sich auch im Widerstand der Guerilla FARC-EP und der Beteiligung der Afro´s gegen das kolumbianische Regime aus. Signifikant hierfür ist die Organisierung der FARC-EP an der sozialen und politischen Mobilisierung von 2013 bis heute. Es ist kein Geheimnis, sondern aktive politische und militärische Arbeit, dass die Guerilla die Teilhabe in der Bevölkerung im Chocó ausgebaut hat und durch Streiks, Proteste, Straßenblockaden, Friedensmärsche und Veranstaltungen präsent ist. Kämpfende Strukturen der FARC-EP im Chocó sind die „Compañia móvil Limón“ sowie die „Compañia móvil Manuel Cepeda Vargas“, der „Bloque móvil Arturo Ruíz“ sowie die 57. Kampffront.

09 Juni 2014

Waffenruhe Nummer Zwei – Wahlen Nummer Zwei


Auch für die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen, die am kommenden Sonntag stattfinden, kündigt die Guerilla FARC-EP eine Waffenruhe an. Von heute, dem 9. Juni, bis zum 30. Juni wird die aufständische Bewegung keine offensiven militärischen Aktionen durchführen. Weiter heißt es in dem Kommuniqué vom Oberkommandierenden des Zentralen Generalstabs Timoleón Jiménez, gerichtet an den Präsidentschaftskandidaten der Ultrarechten Oscar Iván Zuluaga, dass sich die FARC-EP damit in die Pflicht nehmen, weiter an einer politischen Lösung des Konfliktes zu arbeiten.

Zuvor hatte Zuluaga die Guerilla aufgefordert, an einer Waffenruhe festzuhalten, sonst würden im Falle seines Wahlsieges die Verhandlungen eingestellt. Während die FARC-EP derzeit zu Eingeständnissen und politischen Kompromissen bereit ist, wird seitens der Ultrarechten und der Medien wiederholt eine Kampagne gegen die aufständische Bewegung gefahren. Mit einer Antistimmung versucht derzeit der Kandidat Zuluaga seine Wähler zu überzeugen.

Derzeit versucht die FARC-EP ihre politische Arbeit, auch in Bezug auf die Wahlen, weiter auszubauen. In den Gemeinderäten (Junta de Acción Comunal) fanden in den letzten Tagen Gespräche in vielen Regionen Kolumbiens statt. Dabei wurde den Bauern die Wichtigkeit der Wahlen erklärt und darauf hingewiesen, für was unter anderem der ultrarechte Kandidat Zuluaga steht. Bisher hat sich die FARC-EP in den vorhergehenden Wahlen zurückgehalten und sich nicht öffentlich positioniert, auch um eventuellen Schaden von der derzeitigen Regierung im Falle einer propagandistischen Ausschlachtung der Gegner abzuwenden. Des Weiteren würde eine öffentliche Positionierung der Guerilla für Santos auch die (öffentliche) politische Glaubwürdigkeit absprechen.

Trotzdem hat man bei der FARC-EP begriffen, dass der derzeitige Friedensprozess nur durch eine Wiederwahl von Santos zu retten ist. Darin sind auch die Bemühungen zu sehen, insgeheim Partei für diesen Kandidaten zu ergreifen. Zuluaga droht mehrmals an, die Friedensgespräche nicht fortzuführen. Selbst bei einer Fortführung, würden die Konditionen wohl deutlich schlechter für die aufständische Bewegung ausfallen.