25 Mai 2014

Marquetalia - Symbol des Widerstandes


In der „ältesten Demokratie Lateinamerikas“, wie sich Kolumbien gerne nennt, gibt es einen seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten Konflikt und eine der größten und ältesten Guerillabewegungen der Welt, die am 27. Mai 2014 50 Jahre alt wird. Ein Grund also, sich etwas mehr mit der 50jährigen Geschichte der FARC-EP zu befassen.
Heute: „Marquetalia – Symbol des Widerstandes“

Aus: Resistencia International, Deutsche Ausgabe, Nr. 00 – Sonderausgabe, Januar 2000

In Kolumbien bestand schon lange vor der Erhebung der Guerilla eine große Unzufriedenheit unter der ländlichen Bevölkerung mit ihrer sozialen Lage. Unter dem Kommando von Oberst Hernando Currea Cubides, Kommandeur der sechsten Brigade der kolumbianischen Armee, wurde daher vor 35 Jahren der Plan LASO (Latin American Security Operation) gegen die Gebiete ländlicher Selbstverteidigung in Kolumbien in die Praxis umgesetzt. Dieser Plan - auch bekannt als Öldoktrin der Nationalen Sicherheit" - beinhaltete die konkrete Umsetzung des Programms zur militärischen Hilfe der USA für Lateinamerika und charakterisierte die Rahmenbedingungen der neuen militärischen Strategie der Vereinigten Staaten in den siebziger Jahren. Ausgangspunkt war die Militärschule "de las Americas" mit Hauptsitz in Panama. Der Plan stellte eine Ergänzung der sogenannten "Allianz für den Fortschritte zwischen den Vereinigten Staaten und einigen lateinamerikanischen verbündeten Regierungen dar. Das militärische Ziel hieß Marquetalia.

Die Besetzung des Ortes begann mit der Bereitstellung von 16 000 bewaffneten Männern, ausgestattet mit modernem Kriegsgerät wie Hubschraubern, unterschiedlichen Aufklärungs- und Kriegsflugzeugen, die von den Vereinigten Staaten zur Verfügung gewellt wurden. Auch führten sie Ausrüstung mit, um die Belagerung in den Gegenden der Verwaltungsbezirke Huila, Valle del Cauca und Sur del Tolima auszudehnen, mit dem Ziel, den Belagerungsring bis zur Eliminierung der ländlichen Oppositionszentren einzuengen.

Die Marquetalianos arbeiten für ihren eigenen Lebensunterhalt. Um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, belieferten sie zudem die Ortschaften in der näheren Umgebung, wie z.B. Gaitania, Planadas und Neiva. Einige Marquetalianos gehörten der Verwaltung zur Verbesserung des öffentlichen Lebens an, andere arbeiteten in der Kommission für die Vorbereitung zum Bau öffentlicher und geistlicher Bauten. Alles, worum sie zu jener Zeit die Regierung baten, war materielle Hilfe für den Fortschritt in der Region, Kredite zum Wohle der gesamten Gemeinschaft und Garantien gegen die Aktionen regionalen Machthaber und ihrer "pajaros" (Auftragskiller, wörtl.: "Vögel" ), die die Aggressionen gegen die Bewohner dieser Zone nicht einstellten.

Trotzdem entschied sich die Regierung durch Waffengewalt das zu liquidieren, was sie als "kommunistischen Herd von Maquetalia" beurteilte. Für sie war das, was dort existierte, Subversion, fremde Idee und Bandit, die es galt, im Namen der „Demokratie“ und der Verteidigung der Institutionen zu vernichten Diese Entscheidung teilten Parlamentarier, unter ihnen Alvaro Gomez Hurtado, ein Führer während der großen Auseinandersetzungen gegen die selbstdeklarierten nun abhängigen Republiken", die der Rechtfertigung der Aggression dienten.

Verschiedene demokratische Gruppen und Persönlichkeiten des Landes wandten sich gegen die Operation "Marquetalia": Kurz vor Ausbruch des Konfliktes bot sich der Priester Camilo Torres als Vermittler für eine friedliche Lösung an, aber die militärischen Führer und die Hierarchie der Kirche stellten sich dem entgegen. Die Landbewohner verschiedener Regionen formierten sich, um einen anderen Ausweg, als die Konfrontation zu finden.
Eine Gruppe französischer Intellektueller unter Führung von Jean Paul Satre, Jaque Duclos und Simon de Beauvier wendeten sich mit einem Brief an die Regierung und solidarisierten sich mit den angegriffenen Bauern. Trotzdem rief die Regierung den Krieg offiziell aus.

Die höchsten Militärs wurden umgehend autorisiert, die Gebiete um Marquetalia, Riochiquito und El Pato zu besetzen und all die Bewohner zu eliminieren, die der offiziellen Politik nicht folgten. In der Nähe von Planadas, in El Dorado, wurden Hunderte von Bauern, unter dem Vorwurf des "Banditentums" erschossen. Die ursprünglich für drei Wochen geplante militärische Operation wurde zu einem Krieg, der nun über drei Jahrzehnte anhält.

Mit dem in die Aggression investierten Geld gegen die sogenannten "48 Männer von Marquetalia", hätte die Regierung die Lebensbedingungen der Bewohner dieser Region verbessern können und den Ortschaften Gaitania, Planadas, Sur de Ata, Santa Rita, Praga, Chapinero, San Luis, Aipesito, Organos, La Estrella und anderen Hilfe leisten können. Aber sie folgte den reaktionären Kräften und begann ein neues Kapitel der Gewalt, die wir heute in jedem Teil des nationalen Territoriums erleben.
Doch bald mußten sie das Ausmaß der Operationen erkennen. Die bewaffneten Verbände bereiteten ihre Antwort vor, sie evakuierten Frauen, Kinder und Greise und alle Familienmitglieder der Bauern, die nicht in der Lage waren zu kämpfen, in den Dschungel.

Währenddessen versuchten sich die Männer und Frauen in dieser Region zu einer mobilen Guerilla zu organisieren. Zur Unterstützung dieser Bewegung schickte die kommunistische Partei Jacobo Arenas, Mitglied des Exekutiv-Komitees, als politischen Kommissar, der sich zuvor zu einem der höchsten Führer der FARC entwickelt hatte, und Hernando Gonzales, Student an der Freien Universität und Mitglied der Kommunistischen Jugend, der ein Jahr später in der Region von Riochiquito in einem Hinterhalt fiel.

Am 20. Juli 1964 entwarfen die Kämpfer von Marquetalia unter Kampfbedingungen in einer beratenden Versammlung die ersten taktischen und strategischen Linien der mobilen Guerilla und entwickelten konkrete Pläne zur Weiterführung des Kampfes und des Beginns der Ausweitung in der Region. Gleichzeitig verabschiedete die Versammlung den "Agrarplan der Guerilla", der sich über die Jahre zu unserem heutigen Agrarprogramm entwickelte.

In diesem Programm ist der Kampf für eine revolutionäre Agrarreform verankert, die die Grundlagen des Eigentums der Latifundistas beseitigt, das Land den Bauern überträgt und dabei die Bedingungen für die ökonomische Nutzung garantiert. Außerdem wurde die Notwendigkeit des Schaffens einer einheitlichen Front aller demokratischen, progressiven und revolutionären Kräfte des Landes, um demokratische Veränderungen herbeiführen zu können, aufgezeigt.
Die Operation Marquetalia - gegen eine kleine Gruppe von Bauern, die zu den Waffen griffen, um sich zu verteidigen und mit Hilfe der Massen Bedingungen für eine Auseinandersetzung auf gleicher Ebene zu schaffen - entwickelte sich für die Herrschenden und die Regierung zu einem völligen Desaster.

Marquetalia wurde zur Bestätigung, daß es in unserem Land notwendig war, sich gegen solche Verbrechen der Zwei-Parteien-Regierung aus Liberalen und Konservativen zu organisieren und sich bewaffnet zu erheben, um so die Ziele eines demokratischen Zusammenlebens zu erreichen.
Inzwischen sind die fundamentale Bastion der politischen Opposition gegen das oligarchische Regime die von der Guerilla kontrollierten Berge. In diesen letzten Jahren wurden zwei ganze Generationen von populären Führern, die ihr Streben nach sozialem Wechsel und Veränderungen manifestierten, vom bewaffneten Apparat des Staates, der bei seiner schmutzigen Mordtätigkeit keine Waffenruhe gewährte, umgebracht.

Eben aus diesem Grunde bleibt der revolutionäre Guerillakampf ein wertvolles Instrument des Kampfes um demokratische Veränderungen in unserem Land. Und solange die Regierungen die Politik des "internem Krieges" weiter betreiben, wird er auch die einzige Möglichkeit bleiben.

22 Mai 2014

Von einer Bäuerin zur Guerillera


Das Zeugnis der Guerillera Milena ist eine Geschichte, die sich immer und immer wieder im gesamten Territorium Kolumbiens wiederholt. Frauen treten den Reihen der Guerilla bei, weil sie von ihrem Land vertrieben, verfolgt und stigmatisiert worden sind. Manchmal, wie im Fall von Milena, sind sie Witwen geworden aufgrund der paramilitärischen oder staatlichen Gewalt.

Die Kommunikationsmedien halten Stillschweigen über diese realen Fälle, die sich in Kolumbien ereignen. In den Reihen der Guerilla ist es populär sich diesen Geschichten zu widmen, denn hinter jedem Guerillero gibt es eine Geschichte blutenden Ausmaßes, wie ihn das kolumbianische Volk über Jahre erleiden muss.

Verwaiste und verwitwete Guerilleros, Kämpfer aus umgebrachten Familien, Überlebende von Massakern und politische Verfolgte sehen im bewaffneten Kampf die einzige Form in einem Land zu überleben, in dem sie ignoriert und verfolgt werden. Aber trotzdem ist nicht alles verloren, denn sie haben ihr Leben um ihr Vaterland zu verteidigen, dass sie wütend gemacht hat.

Diese Dinge sind auch Teil der Wahrheit über den Konflikt in Kolumbien; noch mehr, denn sie zeigen die sozialen Gründe, der ihn beginnen ließen und die ihn weiter schüren.



21 Mai 2014

Feierlichkeiten und Ausschreitungen in Bogotá (50 Jahre FARC-EP)


Mehr als 100 vermummte Mitglieder und Sympathisanten der FARC-EP, vorrangig des Movimiento Bolivariano, haben in Bogotá in der Nationalen Universität von Kolumbien den 50. Geburtstag der FARC-EP, der größten Guerilla Lateinamerikas, gefeiert.

Um 11 Uhr am Vormittag des 20. Mai (Dienstag) kamen aus den verschiedenen Fakultäten und Gebäuden mehr als 100 Angehörige der verschiedenen Strukturen der FARC-EP, wie dem Movimiento Bolivariano, auf dem Hauptplatz der Nationalen Universität von Kolumbien in Bogotá zusammen, um Propagandamaterial zu verteilen, Reden zu halten, Musik darzubieten und verschiedenen Graffitis und Transparente an den Gebäuden anzubringen. Vom Auditorium, welches dem Hauptplatz „Plaza Che“ angrenzt, wurden vier große Transparente mit den Buchstaben FARC und Portraits ehemaliger Kader herunter gelassen. 

Auf dem Platz traten die Mitglieder und Sympathisanten schwarz vermummt mit Insignien der FARC-EP und des Movimiento Bolivariano auf. Die in Formation aufgestellten „Encapuchados“ („Vermummten“) boten den hunderten beiwohnenden Studenten der Universität Redebeiträge und Musikdarbietungen an. Zudem wurden Aufkleber, Flyer, Poster, Texte und Zeitungen der aufständischen Bewegung verteilt, die im Mai 1964 gegründet wurde und die sich derzeit mit einer Delegation zu Friedensgesprächen mit der kolumbianischen Regierung in Havanna (Kuba) befindet. Mehrere Vermummte hatten Sektflaschen dabei und feierten mit den Studenten die Gründungstage der FARC-EP.

Nach der Propagandaveranstaltung auf dem „Plaza Che“ wurde traditionsgemäß die sich an den Toren der Universität positionierte Polizei angegriffen. Zu den Anhängern und Sympathisanten der Guerilla gesellten sich unzählige Studenten, die an der 26. Straße (Calle 26) und später auch an anderen Orten der Universitätsgeländes die mit rund 350 Kräften angerückte Polizei und Aufstandsbekämpfungseinheit „ESMAD“ angriffen. Dabei wurden Brandbomben, Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizeikräfte geworfen. Die Polizei und ESMAD antworteten mit Tränengas- und Plastikgeschossen. Die Ausschreitungen dauerten rund vier Stunden, teilweise kam der Verkehr in den angrenzenden Hauptstraßen zum Erliegen.

Mehr Informationen zur FARC-EP und zum Movimiento Bolivariano hier auf dieser Seite! Fotos zu diesem Artikel auf Indymedia.