Das Linksbündnis Polo Democrático
Alternativo (PDA) hat alle Mitglieder der Kommunistischen Partei (KP) aufgrund ihrer doppelten
Mitgliedschaft sowohl im Bündnis PDA als auch in der neuen
Linksbewegung Marcha Patriótica ausgeschlossen. Die KP ist Teil des Polo, aber auch seit dem Entstehen im Marcha Patriótica engagiert. Die Entscheidung kommt somit einem
Ausschluss der Kommunistischen Partei Kolumbiens aus dem Wahlbündnis
Polo gleich. Das Wahlbündnis Polo verliert damit nicht nur
Mitglieder im Kongress, sondern in der momentanen Krise auch weitere
Mitglieder und vor allem Sympathie. Viele soziale und politische
Bewegungen sind im Marcha Patriótica organisiert, aber ebenso Teile
in anderen Bündnissen, wie eben im Polo. Es bleibt abzuwarten, wie
sich sowohl diese Bewegungen als auch die Kommunistische Partei
selbst in dieser Situation verorten. Bisher hatte das Bündnis Polo die neue Bewegung Marcha Patriótica geduldet, wenn auch nicht offen unterstützt. Nun wird davon ausgegangen, dass eine klare Trennung zwischen beiden Bündnissen bzw. Parteien gezogen werden soll.
Dokumente und Kommuniqués der FARC-EP
10 August 2012
02 August 2012
Interview mit Fabián Ramírez
In einem Interview
mit dem unabhängigen Journalisten Karl Penhaul, welches im
ländlichen Südwesten Kolumbiens aufgenommen und in den Nachrichten
des Senders Caracol ausgestrahlt wurde, sagte der Anführer des
militärischen Südblocks der FARC-EP, dass der Krieg beendet werden
müsse. Jedoch betont er auch, dass die Möglichkeiten eines Friedens
von den politischen und wirtschaftlichen Interessen abhängen. Zum
Frieden reiche es nicht nur zu sagen, dass nun die Waffen
niedergelegt werden und dass man aufhöre Posten von Militär und
Polizei anzugreifen. Vielmehr müssen die Dinge beendet werden,
welches die Gründe für den bewaffneten Konflikt sind. Die
Regierung, so scheint es, will aber keinen Frieden.
Fabián Ramírez macht auch darauf aufmerksam, dass die FARC-EP keine Entführungen aus finanziellen Gründen durchführen werden, es muss jedoch zwischen Entführungen und Gefangennahmen im Krieg unterschieden werden. So sei es weiterhin möglich, Soldaten oder Polizisten in Gefechten gefangen zunehmen. Er spricht sich gegen eine Humanisierung des Krieges aus, seiner Meinung nach müsse der Krieg beendet werden: „Humanisieren, wofür? Um ihn weiter fortzuführen?“ sagt er.
Fabián Ramírez macht auch darauf aufmerksam, dass die FARC-EP keine Entführungen aus finanziellen Gründen durchführen werden, es muss jedoch zwischen Entführungen und Gefangennahmen im Krieg unterschieden werden. So sei es weiterhin möglich, Soldaten oder Polizisten in Gefechten gefangen zunehmen. Er spricht sich gegen eine Humanisierung des Krieges aus, seiner Meinung nach müsse der Krieg beendet werden: „Humanisieren, wofür? Um ihn weiter fortzuführen?“ sagt er.
In den
kolumbianischen Medien hieß es, dass er im November 2010 bei einem
Bombenangriff auf ein Camp der Guerilla umgekommen sei. Nun war die
Überraschung groß, als das lange Schweigen gebrochen wurde und er
nun überraschenderweise vor die Kamera trat. Im November sei er
vorgewarnt worden. Es gibt ein großes Netz an Informanten, die alle
Bewegungen des Militärs überwachen. Deshalb wusste man Bescheid,
dass ein Angriff in jener Nacht stattfinden würde. Abschließend
antwortet er auf die Frage nach dem Tod der langjährigen Anführer
Manuel Marulanda, Raúl Reyes und Alfonso Cano: „Stirbt einer,
verbleibt ein anderer; es stirbt einer und es folgt einer, immer
aufeinanderfolgend. Es schmerzt, aber das Leben ist so, wir müssen
alle sterben.“
Link zum Interview
Link zum Interview
01 August 2012
Der Krieg der Guerilla ist kein Terrorismus
In Kolumbien wird seit jeher
versucht, das Völkerrecht sowie das Menschenrecht für die Interessen des
Staates und ihrer Oligarchie zu verletzen. Während Staat und Paramilitarismus
im Einklang mit den neoliberalen Interessen
den Terror im Land walten und die politische und soziale Opposition
verfolgen lassen, werden die revolutionären Gueriller@s mit dem Vorwurf des
Terrorismus, der Entführung und der Verschwörung konfrontiert. Der bewaffnete
Konflikt soll hierdurch entpolitisiert werden. Tatsächlich sitzen aktuell bis
zu 9500 politische Gefangene in den kolumbianischen Gefängnissen, ihr Status
ist jedoch ungeklärt, da der Staat den Status von politischen Gefangenen und
Kriegsgefangenen nicht anerkennen will. Und doch gibt es eben viele in den
Gefängnissen, weil ihre Motivation darin bestand, gegen einen Staat zu
rebellieren, der selbst die einfachsten Menschenrechte verletzt und der keinen
Raum für eine friedliche Opposition zulässt. Als Beispiel sei hier der
systematische Massenmord an der „Unión Patriótica“ mit mehr als 5000 Toten, der
Mord an führende Politiker und Präsidentschaftskandidaten wie Jaime Pardo Leal,
Carlos Pizarro, Bernardo Jaramillo oder Luis Carlos Galán, sowie die Tausenden
von ermordeten Gewerkschaftern, Mitgliedern der sozialen Bewegungen und
Guerilla-KämpferInnen. Der Widerstand mit der Waffe gegen ein zutiefst
undemokratisches und ungerechtes Regime ist also legitim.
In diesem Zusammenhang ist es
wichtig, zwischen einem Guerilla-Krieg und Terrorismus zu unterscheiden. Der
Guerilla-Krieg ist ein bewaffneter Konflikt der Bevölkerung bzw. Teilen der
Bevölkerung aus politischem und sozialem Kontext heraus, während der
Terrorismus mit absichtlichen Angriffen auf die Zivilbevölkerung abzielt. Derr
Begriff des Terrorismus unterscheidet sich also von dem der Subversion. In
Kolumbien hat der bewaffnete Konflikt seine Wurzeln in der jahrhundertealten
Geschichte des Landes, in den verschiedenen Zyklen der Gewalt und spätestens
mit den 40er und 50er Jahren als ein Guerillakrieg der unterdrückten Bauern und
Landlosen gegen die Gewalt der herrschenden Klasse. Wie ein Faden zieht sich
der Widerstand durch die kolumbianische Geschichte, damals gegen die
Großgrundbesitzer und deren Konzentration des Landbesitzes in den Händen der
zahlenmäßig kleinen Oligarchie, heute gegen die kapitalistische Akkumulation in
der Landwirtschaft, gegen Megaprojekte im Bergbau, gegen die
Plantagenpflanzungen für Biokraftstoffe und für die universellen Rechte der
Bauern und Indígenas.
Damals wurde gegen die
Repression der konservativen Kräfte rebelliert, das diktatorische Regime von
Rojas Pinilla bekämpft und später für die Demokratisierung während der
Nationalen Front gekämpft. In den 80er Jahren wurde die aufständische Bewegung
das erste Mal von der Regierung anerkannt, es kam zu Friedensverhandlungen.
Auch Ende der 90er Jahre wurde die Guerilla durch Verhandlungen mit der
Regierung Pastrana legitimiert. Die beiden Friedensprozesse scheiterten, doch
auch heute noch ist es das erklärte Ziel der Guerilla, einen tiefgreifenden
demokratischen und politischen Wandel für das Land, reale Garantien für die
politische Betätigung und schließlich Frieden zu erreichen. Von einer
politischen Lösung ist man heute aber weit entfernt. Täglich wird der
Terrorismus- und Drogenvorwurf durch die regierungsnahen Massenmedien „El
Tiempo“, „Caracol“ und „RCN“ in die Köpfe der Kolumbianer transportiert, das
Militär und die Polizei hochgerüstet und die physische und psychische
Vernichtung der Opposition vorangetrieben. Solange es diese Zustände gibt, wird
es auch eine bewaffnete Opposition geben. Die Guerilla ist kein Terrorismus,
sie ist der Widerstand des Volkes gegen die soziale Ungerechtigkeit und
Tyrannei.
In den kolumbianischen Bergen
wächst ein neuer Mensch heran
Die kolumbianische
Oligarchie, also die Propagandisten des Neoliberalismus und ihre Medien,
versuchen die KämpferInnen und Kommandeure der FARC-EP an der Beteiligung des
Drogenhandels und anderer krimineller Machenschaften zu beschuldigen. Dies dient lediglich dem Ziel, die
KämpferInnen, Mitglieder und Sympathisanten jener revolutionären Strukturen zu
diskreditieren.
Der Zynismus dieser kleinen
aber mächtigen Gruppe ist enorm. Diejenigen, die an ein Leben in Luxus und
Reichtum gewöhnt sind, geschaffen aus dem Schweiß der kolumbianischen
ArbeiterInnen, durch Finanzspekulation und Drogenhandel, wollen eine
Organisation für die Misere im Land beschuldigen und ihre KämpferInnen
verleumden, die teilweise seit über 45 Jahren gegen diese Zustände, gegen Armut
und Ungerechtigkeit kämpfen.
Doch die Zahlen sind
eindeutig. Die Hälfte der kolumbianischen Bevölkerung ist arm, ein Viertel lebt
sogar in extremer Armut. So sind mehr als 8 Millionen Menschen
Armutsverhältnissen ausgesetzt. In den ländlichen Gebieten ist die Situation
noch schlimmer, mehr als die Hälfte aller Haushalte lebt unterhalb der
Armutsgrenze. Weltweit steht Kolumbien bei den Ländern mit sozialer und
wirtschaftlicher Ungleichheit an dritter Stelle.
Damit die Oligarchie ihr
komfortables und luxuriöses Leben aufrechterhalten kann, betreibt sie die
Aufrüstung des Militärs und verfolgt eine Politik mit Waffen. Unterstützung bei
der repressiven Politik und Militarisierung erhält sie aus den USA. Kolumbien
ist das Land mit der höchsten US-amerikanischen Militärhilfe in Lateinamerika
und weltweit an dritter Stelle. Millionen von Dollar werden investiert, um den
Krieg zu finanzieren und die Menschen zu unterdrücken. Das haben sie vor
Jahrzehnten mit den aufständischen Bauern so gemacht, später mit dem
systematischen Ermorden von Mitgliedern und Sympathisanten der Unión Patriótica
und heute mit dem Kampf gegen die FARC-EP.
Wie schon seit geraumer Zeit
zu erkennen ist, versuchen die Geschichtsverfälscher der Oligarchie Lügen über
die Aufständischen zu verbreiten, um so gegen sie Stimmung zu machen und den
Krieg rechtfertigen zu können. Es ist ein psychologischer Krieg, in der die
KämpferInnen der FARC-EP als Terroristen bezeichnet werden. Tatsächlich gibt es
in Kolumbien viele Menschen, die auf die Lügen und Diskreditierungen der
Regierungspropaganda herein fallen. Doch es gibt mittlerweile auch viele
Menschen die wissen, dass die Guerilla weiterhin eine starke
politisch-militärische Organisation ist, getragen von den Ideen eines Simón
Bolívar oder eines Manuel Marulanda, die an der Seite der Unterdrückten und
Armen gekämpft haben.
Wer die Gelegenheit hatte,
mit den Guerilleras und Guerilleros (im Folgenden einfachheitshalber
Gueriller@s) der FARC-EP zu reden, zu leben oder politisch zu arbeiten, der
weiß, welchen Charakter und welche Werte die Männer und Frauen haben, die unter
teilweise schwierigen Bedingungen in den Bergen, Savannen und Wäldern für ein
neues und gerechtes Kolumbien kämpfen. Die hinterlistige und feige Oligarchie
wird es nie verstehen und ertragen können, dass die Bedingungen des
Guerilla-Lebens, die Opfer und der Verzicht auf viele materielle Dinge für
einen Menschen stehen, in denen Liebe und Treue zur revolutionären Sache aus
dem tiefsten Herzen kommen.
Laufend entlang von Wegen und
Pfaden, gebaut in mitten des Dschungels, teilweise bestehend aus Schlamm und
matsch, kleine Flüsse überquerend auf kleinen Holzbrücken, bergauf und bergab
umgeben von einer üppigen Vegetation und frischer Luft, ist es eine tolle
Erfahrung wenn man weiß, dass man am Ende eines langen Marsches herzlich und
solidarisch von den Brüdern und Schwestern in einem Camp der FARC-EP empfangen
wird.
Wie weit sind doch die Lügen
der Regierung entfernt, wenn man die Revolutionäre auf dem Land sieht, die in
den Bergen und im Dschungel ihr Umfeld zum Arbeiten, Leben und Studieren haben.
Wie unterschiedlich ist doch die Welt, die der Kapitalismus für junge Menschen
parat hat. Es ist eine entfremdete und konsumorientierte Welt, in der nur
oberflächliche Dinge etwas zählen, die Freizeit in Einkaufscentern verbracht
wird, es ist eine Welt des Egoismus und der Individualisierung, ohne Belange
sich für die wirklich humanen Werte wie Freundschaft, Solidarität und Respekt
einzusetzen. Doch in dieser kapitalistischen Welt, direkt im Kern jener
Gesellschaft wachsen Menschen heran, die ein humanes Weltbild verinnerlicht
haben, die jungen Revolutionäre der Guerilla.
Diese jungen Revolutionäre
leben im Dschungel und in den Bergen umgeben von den harten Bedingungen der
Natur und in Erwartung eines Feindes, der eine hochgerüstete und
hochtechnologisierte Armee besitzt. Und doch trotzen sie dem Feind schon seit
Jahrzehnten. Und immer wieder finden sich aufgrund der sozialen und politischen
Bedingungen Menschen, die sich der Guerilla und dem Leben eines solchen
anschließen.
Das Leben in einem Lager der
FARC-EP sollte ein Beispiel für die menschliche Gesellschaft sein. Die Frauen
und Männer, Guerilleras und Guerilleros, teilen sich die verschiedenen Aufgaben
und Pflichten gemeinsam auf. Dies betrifft die Nahrungsmittelbeschaffung
(Anbau, Ernte, Kauf), die Zubereitung des Essens für die ganze Gruppe, Säubern
und Pflegen des Lagers und der Schlafstellen bzw. Unterkünfte, Reinigung der
Kleidung, sie sichern die Umgebung und bereiten kulturelle oder politische
Aktivitäten vor.
Zu jederzeit sind die
Gueriller@s militärisch auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Gueriller@s selbst,
aber auch das militärische Material werden ständig in Schuss gehalten. Die
körperliche Fitness und das Wissen über das Material zum Kämpfen sind sehr
wichtig. Die Fitness wird nicht nur in bestimmten militärischen Übungen
erworben, sondern auch bei der alltäglichen Arbeit eines jeden Gueriller@.
Hierzu zählen das Holzhacken, die landwirtschaftliche Arbeit und das generelle
Leben ohne große technische Hilfsmittel.
Anders als bei den
Streitkräften der Regierung gibt es in der FARC-EP keine Zurschaustellung von
militärischen Rängen oder Abzeichen. Es gibt und gelten die gleiche Disziplin
und der gleiche Respekt für alle. Die Kommandeure fördern Freundschaft,
Solidarität und Kameradschaft untereinander und für das gesamte Kollektiv einer
Gruppe. Diese Herzensangelegenheit und Solidarität trifft auch für gefallene
KämpferInnen, die politischen Gefangenen und die Familien zu.
Die Gueriller@s sind Menschen
wie du und ich. Sie kommen vom Land oder aus der Stadt. Manche haben nur eine
geringe Schulbildung, andere haben länger eine Schule besucht. Sie schlagen
sich mit Aushilfsjobs und informeller Arbeit über die Runden. Andere haben eine
Arbeit auf dem Land gefunden. Oder sie haben studiert und waren anschließend in
leitenden Funktionen tätig. Sie kommen aus allen Schichten, allen Teilen des
Landes, jeder mit einer anderen Vergangenheit aber doch alle mit einer
ungewissen Zukunft. Der Kampf für eine gerechte Welt führt sie zusammen.
In den Reihen der FARC-EP
gibt es Dichter wie Jesús Santrich und Iván Márquez, es gibt Musiker wie
Cristián Pérez und Julián Conrado und viele Personen, die wunderbar Zeichnen
können. Kunst bzw. die kulturelle Bereicherung wird bei der Guerilla sehr
geachtet, für diesen Zweck gibt es in den Einheiten auch die kulturelle Stunde.
In der kulturellen Stunde wird den KämpferInnen ein Freiraum zur Entfaltung
gegeben, denn Lust und Humor dürfen bei keiner Guerilla fehlen.
Die Gueriller@s sind auch
wissbegierig. Wie oben schon erwähnt wurde, kommen sie alle aus
unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Während die einen studiert haben,
haben die anderen vielleicht noch nie eine Schule von innen gesehen. Die
Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil innerhalb der Guerilla. Hier wird
Lesen und Schreiben gelehrt, es findet Fremdsprachenunterricht statt und es
wird sich mit politischen, philosophischen oder kulturellen Themen
auseinandergesetzt. Die Bildung und Pädagogik sind auf die jeweiligen
Gegebenheiten zugeschnitten. In der kulturellen
Stunde oder in speziellen Zirkeln finden der Unterricht und die
Beschäftigung mit Themen und Nachrichten ihren Platz.
Häufig gibt es auch spezielle
Seminare und Fortbildungen für die Gueriller@s. Für Analphabeten gibt es länger
angelegte Kurse, die ein straffes und lehrreiches Programm haben. Doch auch zu
Themen im politischen, geschichtlichen, militärischen und wirtschaftlichen
Bereich gibt es Seminare, die neben dem alltäglichen Leben eines Gueriller@
einen Vor- oder Nachmittagskurs beinhalten. Für Kommandeure, Stellvertreter
oder Anwärter sind jene Kurse, aber auch spezielle Schulungen ein
Pflichtprogramm. Es sind phantastische Erfahrungen, wenn am Abend in der
Dunkelheit im Schein einer kleinen Taschenlampe Poesie erzählt oder über
diverse Themen diskutiert wird.
In der „farianischen“ Musik,
der typischen Musik der Guerilla, spürt man die Gefühle und die Lebendigkeit
der KämpferInnen. Aber auch andere Musikrichtungen wie Salsa, Vallenato,
Cumbia, Rock, Hip Hop oder Jazz erfüllen die Gueriller@s mit positiver Energie und
sind ebenso Bestandteile der Guerilla-Musik. Ein Großteil der Texte beschreibt
den Alltag der Menschen, erzählt deren Geschichten und beschreibt politische
und soziale Themenfelder. Es ist eine andere Musik als die von Shakira oder
Alejandro Sanz, die die soziale Realität Kolumbiens ausklammern und die von
abstrakter Liebe und trivialen Dingen singen.
Das Bad in einem Fluss ist
der Trost für einen harten Tag. Das kühle, kalte Wasser, welches die Natur
bietet, belebt und erfrischt Körper und Geist. Danach ist man wie neugeboren.
Die Natur wird von den Gueriller@s sehr geschätzt. Mutter Erde wird deshalb
respektiert, weil die Guerilla auf sie angewiesen ist. Sie bietet nicht nur
Schutz und verpflegt sie, sie sorgt auch für Elektrizität und ist Teil eines jeden
Gueriller@. Zwischen Mensch und Natur besteht eine feste Bindung, bei den im
Dschungel oder in den Bergen lebenden KämpferInnen ist sie jedoch besonders
ausgeprägt. Der Schutz der Umwelt und die Bewahrung vor Zerstörung, intensiver
Landwirtschaft oder Ausbeutung hat oberste Priorität.
Das Bad im Fluss zeigt uns
auch etwas anderes, und zwar, wie weit die Vorurteile der Konsumgesellschaft
und Medienoligarchie entfernt sind. Guerilleras und Guerilleros respektieren
und achten einander und baden gemeinsam, ohne dass falsche Blicke auf eine
Person gerichtet werden. Man weiß, dass das Schönheitsideal der Medien ein
Trugschluss ist und so wird jeder Körper in seiner Natürlichkeit gesehen.
Natürlich gibt es auch Gefühle und Liebesbeziehungen zwischen den KämpferInnen.
Beziehungen werden geduldet, sie haben aber andere Norm- und Wertvorstellungen
wie in der Welt der Bourgeoisie, in der Heirat, Kinder bekommen und
patriarchale Vorstellungen weit verbreitet sind. Ein machistisches Weltbild
wird in der FARC-EP abgelehnt und Bildung über Sexualität, soziale Strukturen
und Zusammenleben werden mehr und mehr diskutiert.
Aber trotzdem, manchmal ist
das Leben in einem Lager der FARC-EP nicht leicht. Aber der Unterschied zum
anderen Leben, jenseits der revolutionären Strukturen ist, dass es gegenseitige
Unterstützung gibt um die schwierigen Bedingungen gemeinsam zu meistern.
Hierfür sind Disziplin und Organisation immens wichtig. Alles muss immer gut
strukturiert und gestaltet sein. Jede Person hat ihre Aufgabe in diesem
komplexen System. Fehler sind menschlich und werden erörtert. Und nach und nach
wachsen, ganz im Sinne der revolutionären Ethik und Praxis, die neuen Menschen
heran.
Am Ende bleiben positive
Gefühle. Jeder Gueriller@ freut sich mit den Hunden und Katzen im Lager zu
spielen. Jede und jeder liebt es, nach einem anstrengenden Tag bei einem Buch
aus der mobilen Lagerbibliothek zu entspannen, einen Kaffee zu trinken oder
„Agua de panela“ zu sich zu nehmen, die in einem Ofen nach vietnamesischem
Vorbild zugerichtet wurden. Diese Öfen, mit ihren langen unterirdischen
Rauchabzügen haben sich im Guerillaleben bewährt. Diese Momente und das Leben
in der Natur, mit sauberer Luft, klarem Wasser, fantastischen Bäumen,
Vogelgezwitscher, dem Rauschen des Windes und des Regens, sind Dinge, die einen
Gueriller@ erfreuen. Und es ist auch eine Form des Luxus, all jene Dinge zu
haben.
Würde, Respekt, Zusammenhalt,
Solidarität und Engagement für die gerechte Sache der Ausgebeuteten sind hier
nicht nur leere Worthülsen, sondern die Aspekte, die die FARC-EP zu einer
großen Organisation machen. Die modernste Technologie der Armee und die
tägliche Propaganda der Medien über das scheinbare Ende der Guerilla kann den
Optimismus der FARC-EP nicht bremsen. Die FARC-EP sind ein Teil des Volkes und
sie kämpfen für soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Sie sind eine
Massenorganisation, eine revolutionäre Partei, eng verflochten mit den
Ausgebeuteten, den Arbeitern, den Studierenden, den Bauern, den Indígenas und
all anderen Schichten und Menschen, und deshalb können sie nicht besiegt werden
und deshalb werden sie auch weiter kämpfen, sowohl politisch als auch
militärisch.
24 Juli 2012
Kommuniqué über die aktuelle Situation
Was die Menschen in Cauca und ganz
Kolumbien fordern ist, dass der Krieg gegen sie aufhört. Der Krieg
bestehend aus Operationen des Militärs und der Paramilitärs, der
Bombardierungen und Maschinengewehrfeuer, der militärischen
Besetzungen und massiven Festnahmen, der Krieg der Plünderungen und
leichten Intensität. Was Santos und die ganze Oligarchie vor dem
Kapital mittels ihrer Medien beschwören ist, dass die FARC für die
Probleme verantwortlich seien und sie nach Cauca gekommen seien, um
das Leben der Bewohner zu zerstören. Deshalb proklamieren sie, dass
uns alle Welt angreifen solle und verteufeln jene, die dem ablehnend
gegenüberstehen. Aber die Wahrheit ist ganz anders, sie, Militär
und Oligarchie sind die Aggressoren, sie sind die Diebe und sie sind
gewalttätig.
So ähnlich beschreibt ein Kommuniqué der FARC-EP vom 22. Juli die Situation in Kolumbien und aktuell in der Region Cauca. Nach geraumer Zeit Funkstille hat das Sekretariat des Zentralen Generalstabs der FARC-EP ein Kommuniqué in den Medien gestreut, welches einen Überblick über die Ereignisse der letzten Monate gibt. Von der geplanten Justizreform, der Auslieferung des kolumbianischen Generals Santoyo wegen Drogenhandels an die Vereinigten Staaten, die Veröffentlichung eines Videos von Romeo Langlois mit Bezug auf den bewaffneten Konflikt, die Streits zwischen Uribe und Santos und die aktuelle Situation in Cauca, der Aufstand der Indígenas und Bauern, sowie der Abschuss eines Flugzeuges vom Typ „Supertucano“, während Santos seine Sicherheitspolitik in Toribío feiert, sind nur einige der aufgegriffenen politische Tatsachen, die in den Medien verzerrt oder falsch dargestellt werden.
So ähnlich beschreibt ein Kommuniqué der FARC-EP vom 22. Juli die Situation in Kolumbien und aktuell in der Region Cauca. Nach geraumer Zeit Funkstille hat das Sekretariat des Zentralen Generalstabs der FARC-EP ein Kommuniqué in den Medien gestreut, welches einen Überblick über die Ereignisse der letzten Monate gibt. Von der geplanten Justizreform, der Auslieferung des kolumbianischen Generals Santoyo wegen Drogenhandels an die Vereinigten Staaten, die Veröffentlichung eines Videos von Romeo Langlois mit Bezug auf den bewaffneten Konflikt, die Streits zwischen Uribe und Santos und die aktuelle Situation in Cauca, der Aufstand der Indígenas und Bauern, sowie der Abschuss eines Flugzeuges vom Typ „Supertucano“, während Santos seine Sicherheitspolitik in Toribío feiert, sind nur einige der aufgegriffenen politische Tatsachen, die in den Medien verzerrt oder falsch dargestellt werden.
Für eine politische Lösung sind
tiefgreifende institutionelle Reformen nötig, die Verteilung von
Land und Reichtum müsse Priorität haben, die Wirtschaft müsse
verändert und die Rolle des Militärs hinterfragt werden, zudem
sollen soziale Aspekte für die Kolumbianer im Vordergrund stehen.
Mit der jetzigen Regierung sei dies aber nicht möglich. Nur ein
Wechsel, eine breite und pluralistische Regierung, könne die Hoffnung
auf Dialog und Frieden bringen. Vorgeschlagen wird zudem, eine neue
verfassungsgebende Versammlung durchzuführen, denn sie hätte die
Mittel das Land wieder neu zu gestalten.
Mit dem Kommuniqué verabschieden sich
die FARC-EP zwar nicht vom Frieden, aber die korrupte politische
Klasse, die kolumbianische Oligarchie, habe letztendlich kein Interesse daran.
Während in den früheren Kommuniqués die Hoffnung auf Dialog und
Frieden klar erkennbar war, wird nun deutlich, wie sehr die
Aufständischen von der Regierungspolitik und ihren Lügen enttäuscht
sind. Nur mit tiefgreifenden Veränderungen in den Verhältnissen des
Landes sei es möglich, den Frieden zu erreichen, so das Sekretariat
des Zentralen Generalstabs. Und deshalb sei es notwendig, sich an den
Aufständen und Protesten zu beteiligen und diese zu vereinen.
20 Juli 2012
16 Juli 2012
Zur Situation in Cauca
Derzeit ist die Region
Cauca, und hier insbesondere die Gemeinden im Norden der Region wie
Toribio, Miranda, Jambaló, Corinto, Suarez und andere, aufgrund des
bewaffneten Konflikts in den Blickpunkt der Medien geraten. Dabei
haben die Indígenas eine neue Machtposition gegenüber der
kolumbianischen Politik gefunden...
Indígena in den Reihen der FARC-EP
Indígenas besetzen Militärbasis
Im Norden von Cauca leben
mehr als 200.000 indígene Personen, darunter die der Vöker Nasa,
Paez und Guambiano, die alle der Chibcha-Zivilisation angehören.
Diese haben vor mehr als 500 Jahren ind er Region von Bogotá gelebt,
sind aber aufgrund der ankommenden spanischen Konquistadoren in jene
heutige und weniger frei zugängliche Region verdrängt worden. Der
pazifistische Aufstand der Indígenas richtet sich insbesondere gegen
die Zuspitzung des bewaffneten Konflikts, denn seit mit der
Verstärkung des Militärs und deren Operationen kam es in der
letzten Zeit zu kämpfen, die vor allem in den letzten drei Wochen
die Zivilbevölkerung in ihrem friedlichen Zusammenleben stark
einschränkte. Es geht um die Würde des friedlichen Lebens und des
Territoriums der indigenen Völker, um die Anerkennung ihrer Kultur
und Autonomie sowie um Gerechtigkeit, die im Widerspruch zu der
Politik der kolumbianischen Oligarchie steht.
Solche Aufstände
gegenüber fremden Mächten oder der Regierung sind keine Ausnahme.
Die leidvolle Geschichte von 500 Jahren der Unterdrückung und
Vernichtung, angefangen von der spanischen Krone bis zur heutigen
Kriegspolitik von Präsident Santos, haben seit jeher die Indígenas
gezwungen, Widerstand zu leisten. Neben Santos sind es heute die
korrupten lokalen Eliten, die Zwänge für das indigene Leben
einführen. Es sind die Großgrundbesitzer und Viehzüchter, die noch
heute Indígenas vertreiben, da sie ihren Intressen im Wege stehen.
Und aktuell ist es die Kriegspolitik, die diese Region in eine
Militärbasis verwandelt haben, es zu Operationen gegen die FARC-EP
kommt und in der das soziale Leben für die Einheimischen stark
eingeschränkt wird.
Das dieser Aufstand gerade jetzt zur vollen Entfaltung kommt, liegt neben der militärischen Situation auch an der wachsenden Unzufriedenheit in Kolumbien. Viele sehen die Politik des Staates als gescheitert an, gerade in den ländlichen Regionen und bei stigmatisierten Bevölkerungsgruppen wie den Indígenas, sind die sozio-politischen Errungenschaften relativ gering. Mitbestimmung, auch auf lokaler Ebene, ist sehr schwierig, und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Trinkwasser und Elektrizität, zum Gesundheits- und Bildungssystem und zur finanziellen Förderung von speziellen und lokalen Wirtschaftsprojekten kaum der Rede wehrt. Stattdessen werden die natürlichen Ressourcen ausgebeutet, ohne das die finanziellen Gewinne der Unternehmen in die Region investiert werden. Die über die letzten Jahre forcierte Militarisierung der Region hat aktuell ihren Höhepunkt erreicht. Neben Schikanen gegen die Bevölkerung, denn die Armee sieht in den Indígenas potentielle UnterstützerInnen für die Guerilla, sind es vor allem die Landinbesitznahme durch Militärs für neue Kontrollstellen und Stützpunkte. Teilweise ist die Vertreibung zielgerichtet, um Landstriche zu entvölkern und somit der Guerilla die Überlebensgrundlage zu entziehen.
Das dieser Aufstand gerade jetzt zur vollen Entfaltung kommt, liegt neben der militärischen Situation auch an der wachsenden Unzufriedenheit in Kolumbien. Viele sehen die Politik des Staates als gescheitert an, gerade in den ländlichen Regionen und bei stigmatisierten Bevölkerungsgruppen wie den Indígenas, sind die sozio-politischen Errungenschaften relativ gering. Mitbestimmung, auch auf lokaler Ebene, ist sehr schwierig, und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Trinkwasser und Elektrizität, zum Gesundheits- und Bildungssystem und zur finanziellen Förderung von speziellen und lokalen Wirtschaftsprojekten kaum der Rede wehrt. Stattdessen werden die natürlichen Ressourcen ausgebeutet, ohne das die finanziellen Gewinne der Unternehmen in die Region investiert werden. Die über die letzten Jahre forcierte Militarisierung der Region hat aktuell ihren Höhepunkt erreicht. Neben Schikanen gegen die Bevölkerung, denn die Armee sieht in den Indígenas potentielle UnterstützerInnen für die Guerilla, sind es vor allem die Landinbesitznahme durch Militärs für neue Kontrollstellen und Stützpunkte. Teilweise ist die Vertreibung zielgerichtet, um Landstriche zu entvölkern und somit der Guerilla die Überlebensgrundlage zu entziehen.
Die
Region Cauca ist eine Region, in der die soziale, politische und
wirtschaftliche Krise zugenommen hat. Durch jahrzehntelange
systematische Vernachlässigung in der Regierungspolitik, als Hort
der Unbequemlichkeit und des Widerstandes bekannt, ist die Armut und
sie soziale Ungleichheit hier besonders groß. Mangelnde
Möglichkeiten in der Bildung, fehlende Gesundheitseinrichtungen und
Probleme in der Wohnungsbaupolitik verdeutlichen die Misere. Gerade
hier in Cauca zeigt sich deutlich, wie wichtig eine Agrarreform
zugunsten der ärmeren Bevölkerungsschichten wäre. Doch
Großgrundbesitzer, Viehzüchter und Politiker wehren sich dagegen
mit den Waffen des Paramilitarismus und der Korruption. Während der
Reichtum in den Händen weniger konzentriert ist, lebt die große
Mehrheit in Armut. In 33von insgesamt 43 Gemeinden der Region Cauca
haben mehr als 50 Prozent der Bevölkerung fehlende Grundbedürfnisse,
also kaum oder keinen Zugang zu den öffentlichen Dienstleistungen.
Statistiken besagen, dass Cauca und die Hauptstadt Popayan die Region
ist, mit dem höchsten Prozentsatz der Bevölkerung , die in extremer
Armut lebt. Und bei dem Aspekt der sozialen Ungleichheit folgt es den
Regionen Chocó, La Guajira und Huila.
Im Norden und Osten von Cauca finden wir, wie in den Gebieten Catatumbo, La Macarena, San Vicente del Caguán, aber auch in Montes de María, Tumaco, in den Zentral-Kordilleren oder in Putumayo Gebiete, die sich der kolumbianischen neokolonialen Politik nicht unterordnen wollen und die seit Jahrzehnten die Basis für die Aufständischen der FARC-EP bilden. Seit Februar können wir in Cauca eine neue militärische Offensive des Militärs beobachten, mit dem Ziel, die Guerilla zu besiegen. Cauca ist eine von zehn Schwerpunktregionen, in der die Operation „Sword of Honour“ mit dem Ziel die Guerilla-Basen zu vernichten, durchgeführt wird. Von Bogotá aus gesteuert, von den USA unterstützt und durch paramilitärische Einheiten vervollständigt, muss die Bevölkerung den Bürgerkrieg ertragen. Auf der anderen Seite gibt es die Guerilla, die ihre Gebiete verteidigen will.
Im Norden und Osten von Cauca finden wir, wie in den Gebieten Catatumbo, La Macarena, San Vicente del Caguán, aber auch in Montes de María, Tumaco, in den Zentral-Kordilleren oder in Putumayo Gebiete, die sich der kolumbianischen neokolonialen Politik nicht unterordnen wollen und die seit Jahrzehnten die Basis für die Aufständischen der FARC-EP bilden. Seit Februar können wir in Cauca eine neue militärische Offensive des Militärs beobachten, mit dem Ziel, die Guerilla zu besiegen. Cauca ist eine von zehn Schwerpunktregionen, in der die Operation „Sword of Honour“ mit dem Ziel die Guerilla-Basen zu vernichten, durchgeführt wird. Von Bogotá aus gesteuert, von den USA unterstützt und durch paramilitärische Einheiten vervollständigt, muss die Bevölkerung den Bürgerkrieg ertragen. Auf der anderen Seite gibt es die Guerilla, die ihre Gebiete verteidigen will.
Gepaart wird die
Militäroffensive mit einem scheinbar sozialen Plan, dem „Plan
Cauca“. Laut Präsident Santos sollen mehr als 500 Milliarden
kolumbianische Pesos bereitgestellt werden, um soziale Projekte,
Agrar- und Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Diese Politik ist
auch schon vom „Plan Colombia“ und seinen Nachfolgeplänen
bekannt. Zum einen findet eine Militarisierung statt, zum anderen
soll der Bevölkerung vorgegaukelt werden, man investiere zeitgleich
in die Region. Das hierfür meist nur der Weg für weitere
Militäreinheiten und transnationale Konzerne geebnet wird, ist
hinlänglich bekannt.
Abgeschossenes Flugzeug vom Typ "Super Tucano"
Während die
kolumbianischen Medien im Konflikt in der Region Cauca der FARC-EP
die Hauptlast der Zusammenstöße andichten, geht lokal eine andere
Meinung einher. Als Santos letzte Woche in Toribio eintraf, war der
Ort besetzt durch Militär und Polizei. Die Indígenas, die eine
Beendigung des Konfliktes fordern, fanden sich in einer durch und
durch militarisierten Stadt wieder. Während Santos die Guerilleros
aufforderte, die Waffen nieder zu legen und er betonte, dass die
Region Cauca in der Hand der Regierung sei, gaben die Einwohner
Toribios Interviews in denen sie sagten, dass die FARC-EP schon zwei
Kilometer außerhalb der Stadt die Straßen und Wege kontrolliere. Am
selben Tag des Propaganda-Besuchs von Santos, wurde zudem ein
Militärflugzeug der Luftwaffe abgeschossen. Doch wie ist es möglich,
dass die Guerilla nur wenige Kilometer außerhalb einer vollends
militarisierten Region Kontrollpunkte hat? Weil die FARC-EP in der
Region natürlich mehrheitlich aus Indígenas besteht. Die FARC-EP
ist eine Guerilla, die sich aus der jeweiligen lokalen Bevölkerung
zusammensetzt. Die Beziehungen zwischen Guerilla und Bevölkerung
sind eng miteinander verknüpft. Natürlich ist die Bevölkerung die
Kämpfe leid, und an den Kämpfen, die die FARC-EP als ein Akteur
ebenso durchführt, gibt es ebenso zu kritisieren und deshalb wenden
sich nun auch die lokalen Führer der Indígenas an die KämpferInnen
der Guerilla. Doch sollte man aufgrund der eben im Artikel
beschriebenen Dinge nicht Ursache und Wirkung vertauschen...
09 Juli 2012
Langlois über die FARC-EP
Der französische Journalist Roméo Langlois, der nach 33 Tagen in Gefangenschaft von den FARC-EP freigelassen wurde, berichtet nun in einem Interview von den Umständen der Gefangennahme und das Frieden mit der Guerilla durchaus möglich sei. Des Weiteren sind die FARC-EP ein Parallelstaat in Kolumbien, besonders in den ländlichen Gebieten, in denen der Staat faktisch nicht existent ist.
In dem Interview, welches einem Monat nach der Freilassung gemacht wurde, schildert der Journalist, wie er mit der Armee in ein mehrstündiges Gefecht verwickelt worden ist. Eine Waffe, die ihm während des Kampfes von einem Soldaten angeboten wurde um sich zu verteidigen, lehnte er ab. Er schildert, dass er Angst gehabt habe, an seine getöteten Kollegen in Syrien denken musste und an seine Familie. Die Schussverletzung habe er in diesem Moment aufgrund des Adrenalins nicht gespürt. Während die ersten drei Stunden die Armee das Feuergefecht unter Kontrolle hatte habe sich die Situation dann zugespitzt. Die Armeeeinheit wurde in verschiedene kleine Gruppen getrennt und später aufgerieben. So konnten sich die Guerilleros dem Journalisten nähern. Er gab zu erkennen, dass er Zivilist sei und keine Waffe habe, deshalb wurde nicht auf ihn geschossen, sondern er von der Guerilla mitgenommen.
Weiter beantwortete er Fragen zu den Bildern und Fernsehaufnahmen des Aktes der Freilassung. Viele Bauern in der Region standen mit den Guerilleros beieinander und feierten die Freilassung mit Essen und der Überbringung von politischen Botschaften. Darauf sagte er, dass es in diesen Zonen normal sei, dass sich Bauern und Guerilla kennen. Sie vertrauen einander, mehr als der Armee, denn die Bauern haben Kinder, Geschwister und andere Verwandte in der Guerilla. Solche Zonen gebe es viele in Kolumbien, weil der Staat nicht bis in jene Gebiete kommt. In diesen Zonen sind die FARC-EP praktisch ein Parallelstaat und manchmal wesentlich effektiver als die Regierung. Die FARC-EP sind seit Jahrzehnten in den Regionen aktiv, sie unterstützen die Landbevölkerung, die wiederum die Guerilla unterstützen. Deshalb hat die Armee kein Vertrauen in die Landbevölkerung und die Bauern kein Vertrauen in die Armee.
Roméo Langlois äußert sich auch zu den Vorwürfen, dass er Sympathie mit der Guerilla gezeigt hätte. Besonders Hardliner wie Ex-Präsident Uribe taten sich dabei hervor. Für Langlois sei es jedoch normal, auch die Politik von Armee und Regierung kritisieren zu dürfen, auch wenn dies viele nicht hören wollen. Auf die Frage nach einem Friedenprozess antwortet er, dass dieser möglich sei, die Schlüssel aber bei der Regierung und der Guerilla liegen würden. Aber der Hass erleichtere diesen Prozess nicht, zudem die Regierung der Guerilla die alleinige Schuld für die Gewalt im Land gebe.
03 Juli 2012
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