10 August 2012

Ausschluss der KP aus Linksbündnis

Das Linksbündnis Polo Democrático Alternativo (PDA) hat alle Mitglieder der Kommunistischen Partei (KP) aufgrund ihrer doppelten Mitgliedschaft sowohl im Bündnis PDA als auch in der neuen Linksbewegung Marcha Patriótica ausgeschlossen. Die KP ist Teil des Polo, aber auch seit dem Entstehen im Marcha Patriótica engagiert. Die Entscheidung kommt somit einem Ausschluss der Kommunistischen Partei Kolumbiens aus dem Wahlbündnis Polo gleich. Das Wahlbündnis Polo verliert damit nicht nur Mitglieder im Kongress, sondern in der momentanen Krise auch weitere Mitglieder und vor allem Sympathie. Viele soziale und politische Bewegungen sind im Marcha Patriótica organisiert, aber ebenso Teile in anderen Bündnissen, wie eben im Polo. Es bleibt abzuwarten, wie sich sowohl diese Bewegungen als auch die Kommunistische Partei selbst in dieser Situation verorten. Bisher hatte das Bündnis Polo die neue Bewegung Marcha Patriótica geduldet, wenn auch nicht offen unterstützt. Nun wird davon ausgegangen, dass eine klare Trennung zwischen beiden Bündnissen bzw. Parteien gezogen werden soll.

02 August 2012

Interview mit Fabián Ramírez

In einem Interview mit dem unabhängigen Journalisten Karl Penhaul, welches im ländlichen Südwesten Kolumbiens aufgenommen und in den Nachrichten des Senders Caracol ausgestrahlt wurde, sagte der Anführer des militärischen Südblocks der FARC-EP, dass der Krieg beendet werden müsse. Jedoch betont er auch, dass die Möglichkeiten eines Friedens von den politischen und wirtschaftlichen Interessen abhängen. Zum Frieden reiche es nicht nur zu sagen, dass nun die Waffen niedergelegt werden und dass man aufhöre Posten von Militär und Polizei anzugreifen. Vielmehr müssen die Dinge beendet werden, welches die Gründe für den bewaffneten Konflikt sind. Die Regierung, so scheint es, will aber keinen Frieden. 

Fabián Ramírez macht auch darauf aufmerksam, dass die FARC-EP keine Entführungen aus finanziellen Gründen durchführen werden, es muss jedoch zwischen Entführungen und Gefangennahmen im Krieg unterschieden werden. So sei es weiterhin möglich, Soldaten oder Polizisten in Gefechten gefangen zunehmen. Er spricht sich gegen eine Humanisierung des Krieges aus, seiner Meinung nach müsse der Krieg beendet werden: „Humanisieren, wofür? Um ihn weiter fortzuführen?“ sagt er.

In den kolumbianischen Medien hieß es, dass er im November 2010 bei einem Bombenangriff auf ein Camp der Guerilla umgekommen sei. Nun war die Überraschung groß, als das lange Schweigen gebrochen wurde und er nun überraschenderweise vor die Kamera trat. Im November sei er vorgewarnt worden. Es gibt ein großes Netz an Informanten, die alle Bewegungen des Militärs überwachen. Deshalb wusste man Bescheid, dass ein Angriff in jener Nacht stattfinden würde. Abschließend antwortet er auf die Frage nach dem Tod der langjährigen Anführer Manuel Marulanda, Raúl Reyes und Alfonso Cano: „Stirbt einer, verbleibt ein anderer; es stirbt einer und es folgt einer, immer aufeinanderfolgend. Es schmerzt, aber das Leben ist so, wir müssen alle sterben.“

Link zum Interview  

01 August 2012

Der Krieg der Guerilla ist kein Terrorismus

In Kolumbien wird seit jeher versucht, das Völkerrecht sowie das Menschenrecht für die Interessen des Staates und ihrer Oligarchie zu verletzen. Während Staat und Paramilitarismus im Einklang mit den neoliberalen Interessen  den Terror im Land walten und die politische und soziale Opposition verfolgen lassen, werden die revolutionären Gueriller@s mit dem Vorwurf des Terrorismus, der Entführung und der Verschwörung konfrontiert. Der bewaffnete Konflikt soll hierdurch entpolitisiert werden. Tatsächlich sitzen aktuell bis zu 9500 politische Gefangene in den kolumbianischen Gefängnissen, ihr Status ist jedoch ungeklärt, da der Staat den Status von politischen Gefangenen und Kriegsgefangenen nicht anerkennen will. Und doch gibt es eben viele in den Gefängnissen, weil ihre Motivation darin bestand, gegen einen Staat zu rebellieren, der selbst die einfachsten Menschenrechte verletzt und der keinen Raum für eine friedliche Opposition zulässt. Als Beispiel sei hier der systematische Massenmord an der „Unión Patriótica“ mit mehr als 5000 Toten, der Mord an führende Politiker und Präsidentschaftskandidaten wie Jaime Pardo Leal, Carlos Pizarro, Bernardo Jaramillo oder Luis Carlos Galán, sowie die Tausenden von ermordeten Gewerkschaftern, Mitgliedern der sozialen Bewegungen und Guerilla-KämpferInnen. Der Widerstand mit der Waffe gegen ein zutiefst undemokratisches und ungerechtes Regime ist also legitim.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zwischen einem Guerilla-Krieg und Terrorismus zu unterscheiden. Der Guerilla-Krieg ist ein bewaffneter Konflikt der Bevölkerung bzw. Teilen der Bevölkerung aus politischem und sozialem Kontext heraus, während der Terrorismus mit absichtlichen Angriffen auf die Zivilbevölkerung abzielt. Derr Begriff des Terrorismus unterscheidet sich also von dem der Subversion. In Kolumbien hat der bewaffnete Konflikt seine Wurzeln in der jahrhundertealten Geschichte des Landes, in den verschiedenen Zyklen der Gewalt und spätestens mit den 40er und 50er Jahren als ein Guerillakrieg der unterdrückten Bauern und Landlosen gegen die Gewalt der herrschenden Klasse. Wie ein Faden zieht sich der Widerstand durch die kolumbianische Geschichte, damals gegen die Großgrundbesitzer und deren Konzentration des Landbesitzes in den Händen der zahlenmäßig kleinen Oligarchie, heute gegen die kapitalistische Akkumulation in der Landwirtschaft, gegen Megaprojekte im Bergbau, gegen die Plantagenpflanzungen für Biokraftstoffe und für die universellen Rechte der Bauern und Indígenas.

Damals wurde gegen die Repression der konservativen Kräfte rebelliert, das diktatorische Regime von Rojas Pinilla bekämpft und später für die Demokratisierung während der Nationalen Front gekämpft. In den 80er Jahren wurde die aufständische Bewegung das erste Mal von der Regierung anerkannt, es kam zu Friedensverhandlungen. Auch Ende der 90er Jahre wurde die Guerilla durch Verhandlungen mit der Regierung Pastrana legitimiert. Die beiden Friedensprozesse scheiterten, doch auch heute noch ist es das erklärte Ziel der Guerilla, einen tiefgreifenden demokratischen und politischen Wandel für das Land, reale Garantien für die politische Betätigung und schließlich Frieden zu erreichen. Von einer politischen Lösung ist man heute aber weit entfernt. Täglich wird der Terrorismus- und Drogenvorwurf durch die regierungsnahen Massenmedien „El Tiempo“, „Caracol“ und „RCN“ in die Köpfe der Kolumbianer transportiert, das Militär und die Polizei hochgerüstet und die physische und psychische Vernichtung der Opposition vorangetrieben. Solange es diese Zustände gibt, wird es auch eine bewaffnete Opposition geben. Die Guerilla ist kein Terrorismus, sie ist der Widerstand des Volkes gegen die soziale Ungerechtigkeit und Tyrannei.


In den kolumbianischen Bergen wächst ein neuer Mensch heran

Die kolumbianische Oligarchie, also die Propagandisten des Neoliberalismus und ihre Medien, versuchen die KämpferInnen und Kommandeure der FARC-EP an der Beteiligung des Drogenhandels und anderer krimineller Machenschaften zu beschuldigen.  Dies dient lediglich dem Ziel, die KämpferInnen, Mitglieder und Sympathisanten jener revolutionären Strukturen zu diskreditieren.

Der Zynismus dieser kleinen aber mächtigen Gruppe ist enorm. Diejenigen, die an ein Leben in Luxus und Reichtum gewöhnt sind, geschaffen aus dem Schweiß der kolumbianischen ArbeiterInnen, durch Finanzspekulation und Drogenhandel, wollen eine Organisation für die Misere im Land beschuldigen und ihre KämpferInnen verleumden, die teilweise seit über 45 Jahren gegen diese Zustände, gegen Armut und Ungerechtigkeit kämpfen.

Doch die Zahlen sind eindeutig. Die Hälfte der kolumbianischen Bevölkerung ist arm, ein Viertel lebt sogar in extremer Armut. So sind mehr als 8 Millionen Menschen Armutsverhältnissen ausgesetzt. In den ländlichen Gebieten ist die Situation noch schlimmer, mehr als die Hälfte aller Haushalte lebt unterhalb der Armutsgrenze. Weltweit steht Kolumbien bei den Ländern mit sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit an dritter Stelle.

Damit die Oligarchie ihr komfortables und luxuriöses Leben aufrechterhalten kann, betreibt sie die Aufrüstung des Militärs und verfolgt eine Politik mit Waffen. Unterstützung bei der repressiven Politik und Militarisierung erhält sie aus den USA. Kolumbien ist das Land mit der höchsten US-amerikanischen Militärhilfe in Lateinamerika und weltweit an dritter Stelle. Millionen von Dollar werden investiert, um den Krieg zu finanzieren und die Menschen zu unterdrücken. Das haben sie vor Jahrzehnten mit den aufständischen Bauern so gemacht, später mit dem systematischen Ermorden von Mitgliedern und Sympathisanten der Unión Patriótica und heute mit dem Kampf gegen die FARC-EP.

Wie schon seit geraumer Zeit zu erkennen ist, versuchen die Geschichtsverfälscher der Oligarchie Lügen über die Aufständischen zu verbreiten, um so gegen sie Stimmung zu machen und den Krieg rechtfertigen zu können. Es ist ein psychologischer Krieg, in der die KämpferInnen der FARC-EP als Terroristen bezeichnet werden. Tatsächlich gibt es in Kolumbien viele Menschen, die auf die Lügen und Diskreditierungen der Regierungspropaganda herein fallen. Doch es gibt mittlerweile auch viele Menschen die wissen, dass die Guerilla weiterhin eine starke politisch-militärische Organisation ist, getragen von den Ideen eines Simón Bolívar oder eines Manuel Marulanda, die an der Seite der Unterdrückten und Armen gekämpft haben.

Wer die Gelegenheit hatte, mit den Guerilleras und Guerilleros (im Folgenden einfachheitshalber Gueriller@s) der FARC-EP zu reden, zu leben oder politisch zu arbeiten, der weiß, welchen Charakter und welche Werte die Männer und Frauen haben, die unter teilweise schwierigen Bedingungen in den Bergen, Savannen und Wäldern für ein neues und gerechtes Kolumbien kämpfen. Die hinterlistige und feige Oligarchie wird es nie verstehen und ertragen können, dass die Bedingungen des Guerilla-Lebens, die Opfer und der Verzicht auf viele materielle Dinge für einen Menschen stehen, in denen Liebe und Treue zur revolutionären Sache aus dem tiefsten Herzen kommen.

Laufend entlang von Wegen und Pfaden, gebaut in mitten des Dschungels, teilweise bestehend aus Schlamm und matsch, kleine Flüsse überquerend auf kleinen Holzbrücken, bergauf und bergab umgeben von einer üppigen Vegetation und frischer Luft, ist es eine tolle Erfahrung wenn man weiß, dass man am Ende eines langen Marsches herzlich und solidarisch von den Brüdern und Schwestern in einem Camp der FARC-EP empfangen wird.

Wie weit sind doch die Lügen der Regierung entfernt, wenn man die Revolutionäre auf dem Land sieht, die in den Bergen und im Dschungel ihr Umfeld zum Arbeiten, Leben und Studieren haben. Wie unterschiedlich ist doch die Welt, die der Kapitalismus für junge Menschen parat hat. Es ist eine entfremdete und konsumorientierte Welt, in der nur oberflächliche Dinge etwas zählen, die Freizeit in Einkaufscentern verbracht wird, es ist eine Welt des Egoismus und der Individualisierung, ohne Belange sich für die wirklich humanen Werte wie Freundschaft, Solidarität und Respekt einzusetzen. Doch in dieser kapitalistischen Welt, direkt im Kern jener Gesellschaft wachsen Menschen heran, die ein humanes Weltbild verinnerlicht haben, die jungen Revolutionäre der Guerilla.

Diese jungen Revolutionäre leben im Dschungel und in den Bergen umgeben von den harten Bedingungen der Natur und in Erwartung eines Feindes, der eine hochgerüstete und hochtechnologisierte Armee besitzt. Und doch trotzen sie dem Feind schon seit Jahrzehnten. Und immer wieder finden sich aufgrund der sozialen und politischen Bedingungen Menschen, die sich der Guerilla und dem Leben eines solchen anschließen.
Das Leben in einem Lager der FARC-EP sollte ein Beispiel für die menschliche Gesellschaft sein. Die Frauen und Männer, Guerilleras und Guerilleros, teilen sich die verschiedenen Aufgaben und Pflichten gemeinsam auf. Dies betrifft die Nahrungsmittelbeschaffung (Anbau, Ernte, Kauf), die Zubereitung des Essens für die ganze Gruppe, Säubern und Pflegen des Lagers und der Schlafstellen bzw. Unterkünfte, Reinigung der Kleidung, sie sichern die Umgebung und bereiten kulturelle oder politische Aktivitäten vor.

Zu jederzeit sind die Gueriller@s militärisch auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Gueriller@s selbst, aber auch das militärische Material werden ständig in Schuss gehalten. Die körperliche Fitness und das Wissen über das Material zum Kämpfen sind sehr wichtig. Die Fitness wird nicht nur in bestimmten militärischen Übungen erworben, sondern auch bei der alltäglichen Arbeit eines jeden Gueriller@. Hierzu zählen das Holzhacken, die landwirtschaftliche Arbeit und das generelle Leben ohne große technische Hilfsmittel.
Anders als bei den Streitkräften der Regierung gibt es in der FARC-EP keine Zurschaustellung von militärischen Rängen oder Abzeichen. Es gibt und gelten die gleiche Disziplin und der gleiche Respekt für alle. Die Kommandeure fördern Freundschaft, Solidarität und Kameradschaft untereinander und für das gesamte Kollektiv einer Gruppe. Diese Herzensangelegenheit und Solidarität trifft auch für gefallene KämpferInnen, die politischen Gefangenen und die Familien zu.

Die Gueriller@s sind Menschen wie du und ich. Sie kommen vom Land oder aus der Stadt. Manche haben nur eine geringe Schulbildung, andere haben länger eine Schule besucht. Sie schlagen sich mit Aushilfsjobs und informeller Arbeit über die Runden. Andere haben eine Arbeit auf dem Land gefunden. Oder sie haben studiert und waren anschließend in leitenden Funktionen tätig. Sie kommen aus allen Schichten, allen Teilen des Landes, jeder mit einer anderen Vergangenheit aber doch alle mit einer ungewissen Zukunft. Der Kampf für eine gerechte Welt führt sie zusammen.

In den Reihen der FARC-EP gibt es Dichter wie Jesús Santrich und Iván Márquez, es gibt Musiker wie Cristián Pérez und Julián Conrado und viele Personen, die wunderbar Zeichnen können. Kunst bzw. die kulturelle Bereicherung wird bei der Guerilla sehr geachtet, für diesen Zweck gibt es in den Einheiten auch die kulturelle Stunde. In der kulturellen Stunde wird den KämpferInnen ein Freiraum zur Entfaltung gegeben, denn Lust und Humor dürfen bei keiner Guerilla fehlen.

Die Gueriller@s sind auch wissbegierig. Wie oben schon erwähnt wurde, kommen sie alle aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Während die einen studiert haben, haben die anderen vielleicht noch nie eine Schule von innen gesehen. Die Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil innerhalb der Guerilla. Hier wird Lesen und Schreiben gelehrt, es findet Fremdsprachenunterricht statt und es wird sich mit politischen, philosophischen oder kulturellen Themen auseinandergesetzt. Die Bildung und Pädagogik sind auf die jeweiligen Gegebenheiten zugeschnitten. In der kulturellen  Stunde oder in speziellen Zirkeln finden der Unterricht und die Beschäftigung mit Themen und Nachrichten ihren Platz.

Häufig gibt es auch spezielle Seminare und Fortbildungen für die Gueriller@s. Für Analphabeten gibt es länger angelegte Kurse, die ein straffes und lehrreiches Programm haben. Doch auch zu Themen im politischen, geschichtlichen, militärischen und wirtschaftlichen Bereich gibt es Seminare, die neben dem alltäglichen Leben eines Gueriller@ einen Vor- oder Nachmittagskurs beinhalten. Für Kommandeure, Stellvertreter oder Anwärter sind jene Kurse, aber auch spezielle Schulungen ein Pflichtprogramm. Es sind phantastische Erfahrungen, wenn am Abend in der Dunkelheit im Schein einer kleinen Taschenlampe Poesie erzählt oder über diverse Themen diskutiert wird.

In der „farianischen“ Musik, der typischen Musik der Guerilla, spürt man die Gefühle und die Lebendigkeit der KämpferInnen. Aber auch andere Musikrichtungen wie Salsa, Vallenato, Cumbia, Rock, Hip Hop oder Jazz erfüllen die Gueriller@s mit positiver Energie und sind ebenso Bestandteile der Guerilla-Musik. Ein Großteil der Texte beschreibt den Alltag der Menschen, erzählt deren Geschichten und beschreibt politische und soziale Themenfelder. Es ist eine andere Musik als die von Shakira oder Alejandro Sanz, die die soziale Realität Kolumbiens ausklammern und die von abstrakter Liebe und trivialen Dingen singen.

Das Bad in einem Fluss ist der Trost für einen harten Tag. Das kühle, kalte Wasser, welches die Natur bietet, belebt und erfrischt Körper und Geist. Danach ist man wie neugeboren. Die Natur wird von den Gueriller@s sehr geschätzt. Mutter Erde wird deshalb respektiert, weil die Guerilla auf sie angewiesen ist. Sie bietet nicht nur Schutz und verpflegt sie, sie sorgt auch für Elektrizität und ist Teil eines jeden Gueriller@. Zwischen Mensch und Natur besteht eine feste Bindung, bei den im Dschungel oder in den Bergen lebenden KämpferInnen ist sie jedoch besonders ausgeprägt. Der Schutz der Umwelt und die Bewahrung vor Zerstörung, intensiver Landwirtschaft oder Ausbeutung hat oberste Priorität.

Das Bad im Fluss zeigt uns auch etwas anderes, und zwar, wie weit die Vorurteile der Konsumgesellschaft und Medienoligarchie entfernt sind. Guerilleras und Guerilleros respektieren und achten einander und baden gemeinsam, ohne dass falsche Blicke auf eine Person gerichtet werden. Man weiß, dass das Schönheitsideal der Medien ein Trugschluss ist und so wird jeder Körper in seiner Natürlichkeit gesehen. Natürlich gibt es auch Gefühle und Liebesbeziehungen zwischen den KämpferInnen. Beziehungen werden geduldet, sie haben aber andere Norm- und Wertvorstellungen wie in der Welt der Bourgeoisie, in der Heirat, Kinder bekommen und patriarchale Vorstellungen weit verbreitet sind. Ein machistisches Weltbild wird in der FARC-EP abgelehnt und Bildung über Sexualität, soziale Strukturen und Zusammenleben werden mehr und mehr diskutiert.

Aber trotzdem, manchmal ist das Leben in einem Lager der FARC-EP nicht leicht. Aber der Unterschied zum anderen Leben, jenseits der revolutionären Strukturen ist, dass es gegenseitige Unterstützung gibt um die schwierigen Bedingungen gemeinsam zu meistern. Hierfür sind Disziplin und Organisation immens wichtig. Alles muss immer gut strukturiert und gestaltet sein. Jede Person hat ihre Aufgabe in diesem komplexen System. Fehler sind menschlich und werden erörtert. Und nach und nach wachsen, ganz im Sinne der revolutionären Ethik und Praxis, die neuen Menschen heran.

Am Ende bleiben positive Gefühle. Jeder Gueriller@ freut sich mit den Hunden und Katzen im Lager zu spielen. Jede und jeder liebt es, nach einem anstrengenden Tag bei einem Buch aus der mobilen Lagerbibliothek zu entspannen, einen Kaffee zu trinken oder „Agua de panela“ zu sich zu nehmen, die in einem Ofen nach vietnamesischem Vorbild zugerichtet wurden. Diese Öfen, mit ihren langen unterirdischen Rauchabzügen haben sich im Guerillaleben bewährt. Diese Momente und das Leben in der Natur, mit sauberer Luft, klarem Wasser, fantastischen Bäumen, Vogelgezwitscher, dem Rauschen des Windes und des Regens, sind Dinge, die einen Gueriller@ erfreuen. Und es ist auch eine Form des Luxus, all jene Dinge zu haben.

Würde, Respekt, Zusammenhalt, Solidarität und Engagement für die gerechte Sache der Ausgebeuteten sind hier nicht nur leere Worthülsen, sondern die Aspekte, die die FARC-EP zu einer großen Organisation machen. Die modernste Technologie der Armee und die tägliche Propaganda der Medien über das scheinbare Ende der Guerilla kann den Optimismus der FARC-EP nicht bremsen. Die FARC-EP sind ein Teil des Volkes und sie kämpfen für soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Sie sind eine Massenorganisation, eine revolutionäre Partei, eng verflochten mit den Ausgebeuteten, den Arbeitern, den Studierenden, den Bauern, den Indígenas und all anderen Schichten und Menschen, und deshalb können sie nicht besiegt werden und deshalb werden sie auch weiter kämpfen, sowohl politisch als auch militärisch.

24 Juli 2012

Kommuniqué über die aktuelle Situation

Was die Menschen in Cauca und ganz Kolumbien fordern ist, dass der Krieg gegen sie aufhört. Der Krieg bestehend aus Operationen des Militärs und der Paramilitärs, der Bombardierungen und Maschinengewehrfeuer, der militärischen Besetzungen und massiven Festnahmen, der Krieg der Plünderungen und leichten Intensität. Was Santos und die ganze Oligarchie vor dem Kapital mittels ihrer Medien beschwören ist, dass die FARC für die Probleme verantwortlich seien und sie nach Cauca gekommen seien, um das Leben der Bewohner zu zerstören. Deshalb proklamieren sie, dass uns alle Welt angreifen solle und verteufeln jene, die dem ablehnend gegenüberstehen. Aber die Wahrheit ist ganz anders, sie, Militär und Oligarchie sind die Aggressoren, sie sind die Diebe und sie sind gewalttätig.

So ähnlich beschreibt ein Kommuniqué der FARC-EP vom 22. Juli die Situation in Kolumbien und aktuell in der Region Cauca. Nach geraumer Zeit Funkstille hat das Sekretariat des Zentralen Generalstabs der FARC-EP ein Kommuniqué in den Medien gestreut, welches einen Überblick über die Ereignisse der letzten Monate gibt. Von der geplanten Justizreform, der Auslieferung des kolumbianischen Generals Santoyo wegen Drogenhandels an die Vereinigten Staaten, die Veröffentlichung eines Videos von Romeo Langlois mit Bezug auf den bewaffneten Konflikt, die Streits zwischen Uribe und Santos und die aktuelle Situation in Cauca, der Aufstand der Indígenas und Bauern, sowie der Abschuss eines Flugzeuges vom Typ „Supertucano“, während Santos seine Sicherheitspolitik in Toribío feiert, sind nur einige der aufgegriffenen politische Tatsachen, die in den Medien verzerrt oder falsch dargestellt werden.
Für eine politische Lösung sind tiefgreifende institutionelle Reformen nötig, die Verteilung von Land und Reichtum müsse Priorität haben, die Wirtschaft müsse verändert und die Rolle des Militärs hinterfragt werden, zudem sollen soziale Aspekte für die Kolumbianer im Vordergrund stehen. Mit der jetzigen Regierung sei dies aber nicht möglich. Nur ein Wechsel, eine breite und pluralistische Regierung, könne die Hoffnung auf Dialog und Frieden bringen. Vorgeschlagen wird zudem, eine neue verfassungsgebende Versammlung durchzuführen, denn sie hätte die Mittel das Land wieder neu zu gestalten.
Mit dem Kommuniqué verabschieden sich die FARC-EP zwar nicht vom Frieden, aber die korrupte politische Klasse, die kolumbianische Oligarchie, habe letztendlich kein Interesse daran. Während in den früheren Kommuniqués die Hoffnung auf Dialog und Frieden klar erkennbar war, wird nun deutlich, wie sehr die Aufständischen von der Regierungspolitik und ihren Lügen enttäuscht sind. Nur mit tiefgreifenden Veränderungen in den Verhältnissen des Landes sei es möglich, den Frieden zu erreichen, so das Sekretariat des Zentralen Generalstabs. Und deshalb sei es notwendig, sich an den Aufständen und Protesten zu beteiligen und diese zu vereinen. 

20 Juli 2012

Julián Conrado - Alzado en Canto

CD-Cover "Alzado en Canto Vol. 1" von Julián Conrado

16 Juli 2012

Zur Situation in Cauca

Derzeit ist die Region Cauca, und hier insbesondere die Gemeinden im Norden der Region wie Toribio, Miranda, Jambaló, Corinto, Suarez und andere, aufgrund des bewaffneten Konflikts in den Blickpunkt der Medien geraten. Dabei haben die Indígenas eine neue Machtposition gegenüber der kolumbianischen Politik gefunden...

 Indígenas besetzen Militärbasis

Im Norden von Cauca leben mehr als 200.000 indígene Personen, darunter die der Vöker Nasa, Paez und Guambiano, die alle der Chibcha-Zivilisation angehören. Diese haben vor mehr als 500 Jahren ind er Region von Bogotá gelebt, sind aber aufgrund der ankommenden spanischen Konquistadoren in jene heutige und weniger frei zugängliche Region verdrängt worden. Der pazifistische Aufstand der Indígenas richtet sich insbesondere gegen die Zuspitzung des bewaffneten Konflikts, denn seit mit der Verstärkung des Militärs und deren Operationen kam es in der letzten Zeit zu kämpfen, die vor allem in den letzten drei Wochen die Zivilbevölkerung in ihrem friedlichen Zusammenleben stark einschränkte. Es geht um die Würde des friedlichen Lebens und des Territoriums der indigenen Völker, um die Anerkennung ihrer Kultur und Autonomie sowie um Gerechtigkeit, die im Widerspruch zu der Politik der kolumbianischen Oligarchie steht.

Solche Aufstände gegenüber fremden Mächten oder der Regierung sind keine Ausnahme. Die leidvolle Geschichte von 500 Jahren der Unterdrückung und Vernichtung, angefangen von der spanischen Krone bis zur heutigen Kriegspolitik von Präsident Santos, haben seit jeher die Indígenas gezwungen, Widerstand zu leisten. Neben Santos sind es heute die korrupten lokalen Eliten, die Zwänge für das indigene Leben einführen. Es sind die Großgrundbesitzer und Viehzüchter, die noch heute Indígenas vertreiben, da sie ihren Intressen im Wege stehen. Und aktuell ist es die Kriegspolitik, die diese Region in eine Militärbasis verwandelt haben, es zu Operationen gegen die FARC-EP kommt und in der das soziale Leben für die Einheimischen stark eingeschränkt wird.

Das dieser Aufstand gerade jetzt zur vollen Entfaltung kommt, liegt neben der militärischen Situation auch an der wachsenden Unzufriedenheit in Kolumbien. Viele sehen die Politik des Staates als gescheitert an, gerade in den ländlichen Regionen und bei stigmatisierten Bevölkerungsgruppen wie den Indígenas, sind die sozio-politischen Errungenschaften relativ gering. Mitbestimmung, auch auf lokaler Ebene, ist sehr schwierig, und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Trinkwasser und Elektrizität, zum Gesundheits- und Bildungssystem und zur finanziellen Förderung von speziellen und lokalen Wirtschaftsprojekten kaum der Rede wehrt. Stattdessen werden die natürlichen Ressourcen ausgebeutet, ohne das die finanziellen Gewinne der Unternehmen in die Region investiert werden. Die über die letzten Jahre forcierte Militarisierung der Region hat aktuell ihren Höhepunkt erreicht. Neben Schikanen gegen die Bevölkerung, denn die Armee sieht in den Indígenas potentielle UnterstützerInnen für die Guerilla, sind es vor allem die Landinbesitznahme durch Militärs für neue Kontrollstellen und Stützpunkte. Teilweise ist die Vertreibung zielgerichtet, um Landstriche zu entvölkern und somit der Guerilla die Überlebensgrundlage zu entziehen.

Indígena in den Reihen der FARC-EP

Die Region Cauca ist eine Region, in der die soziale, politische und wirtschaftliche Krise zugenommen hat. Durch jahrzehntelange systematische Vernachlässigung in der Regierungspolitik, als Hort der Unbequemlichkeit und des Widerstandes bekannt, ist die Armut und sie soziale Ungleichheit hier besonders groß. Mangelnde Möglichkeiten in der Bildung, fehlende Gesundheitseinrichtungen und Probleme in der Wohnungsbaupolitik verdeutlichen die Misere. Gerade hier in Cauca zeigt sich deutlich, wie wichtig eine Agrarreform zugunsten der ärmeren Bevölkerungsschichten wäre. Doch Großgrundbesitzer, Viehzüchter und Politiker wehren sich dagegen mit den Waffen des Paramilitarismus und der Korruption. Während der Reichtum in den Händen weniger konzentriert ist, lebt die große Mehrheit in Armut. In 33von insgesamt 43 Gemeinden der Region Cauca haben mehr als 50 Prozent der Bevölkerung fehlende Grundbedürfnisse, also kaum oder keinen Zugang zu den öffentlichen Dienstleistungen. Statistiken besagen, dass Cauca und die Hauptstadt Popayan die Region ist, mit dem höchsten Prozentsatz der Bevölkerung , die in extremer Armut lebt. Und bei dem Aspekt der sozialen Ungleichheit folgt es den Regionen Chocó, La Guajira und Huila.

Im Norden und Osten von Cauca finden wir, wie in den Gebieten Catatumbo, La Macarena, San Vicente del Caguán, aber auch in Montes de María, Tumaco, in den Zentral-Kordilleren oder in Putumayo Gebiete, die sich der kolumbianischen neokolonialen Politik nicht unterordnen wollen und die seit Jahrzehnten die Basis für die Aufständischen der FARC-EP bilden. Seit Februar können wir in Cauca eine neue militärische Offensive des Militärs beobachten, mit dem Ziel, die Guerilla zu besiegen. Cauca ist eine von zehn Schwerpunktregionen, in der die Operation „Sword of Honour“ mit dem Ziel die Guerilla-Basen zu vernichten, durchgeführt wird. Von Bogotá aus gesteuert, von den USA unterstützt und durch paramilitärische Einheiten vervollständigt, muss die Bevölkerung den Bürgerkrieg ertragen. Auf der anderen Seite gibt es die Guerilla, die ihre Gebiete verteidigen will.

Gepaart wird die Militäroffensive mit einem scheinbar sozialen Plan, dem „Plan Cauca“. Laut Präsident Santos sollen mehr als 500 Milliarden kolumbianische Pesos bereitgestellt werden, um soziale Projekte, Agrar- und Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Diese Politik ist auch schon vom „Plan Colombia“ und seinen Nachfolgeplänen bekannt. Zum einen findet eine Militarisierung statt, zum anderen soll der Bevölkerung vorgegaukelt werden, man investiere zeitgleich in die Region. Das hierfür meist nur der Weg für weitere Militäreinheiten und transnationale Konzerne geebnet wird, ist hinlänglich bekannt.

Abgeschossenes Flugzeug vom Typ "Super Tucano"

Während die kolumbianischen Medien im Konflikt in der Region Cauca der FARC-EP die Hauptlast der Zusammenstöße andichten, geht lokal eine andere Meinung einher. Als Santos letzte Woche in Toribio eintraf, war der Ort besetzt durch Militär und Polizei. Die Indígenas, die eine Beendigung des Konfliktes fordern, fanden sich in einer durch und durch militarisierten Stadt wieder. Während Santos die Guerilleros aufforderte, die Waffen nieder zu legen und er betonte, dass die Region Cauca in der Hand der Regierung sei, gaben die Einwohner Toribios Interviews in denen sie sagten, dass die FARC-EP schon zwei Kilometer außerhalb der Stadt die Straßen und Wege kontrolliere. Am selben Tag des Propaganda-Besuchs von Santos, wurde zudem ein Militärflugzeug der Luftwaffe abgeschossen. Doch wie ist es möglich, dass die Guerilla nur wenige Kilometer außerhalb einer vollends militarisierten Region Kontrollpunkte hat? Weil die FARC-EP in der Region natürlich mehrheitlich aus Indígenas besteht. Die FARC-EP ist eine Guerilla, die sich aus der jeweiligen lokalen Bevölkerung zusammensetzt. Die Beziehungen zwischen Guerilla und Bevölkerung sind eng miteinander verknüpft. Natürlich ist die Bevölkerung die Kämpfe leid, und an den Kämpfen, die die FARC-EP als ein Akteur ebenso durchführt, gibt es ebenso zu kritisieren und deshalb wenden sich nun auch die lokalen Führer der Indígenas an die KämpferInnen der Guerilla. Doch sollte man aufgrund der eben im Artikel beschriebenen Dinge nicht Ursache und Wirkung vertauschen...

09 Juli 2012

Langlois über die FARC-EP

Der französische Journalist Roméo Langlois, der nach 33 Tagen in Gefangenschaft von den FARC-EP freigelassen wurde, berichtet nun in einem Interview von den Umständen der Gefangennahme und das Frieden mit der Guerilla durchaus möglich sei. Des Weiteren sind die FARC-EP ein Parallelstaat in Kolumbien, besonders in den ländlichen Gebieten, in denen der Staat faktisch nicht existent ist. 
 
In dem Interview, welches einem Monat nach der Freilassung gemacht wurde, schildert der Journalist, wie er mit der Armee in ein mehrstündiges Gefecht verwickelt worden ist. Eine Waffe, die ihm während des Kampfes von einem Soldaten angeboten wurde um sich zu verteidigen, lehnte er ab. Er schildert, dass er Angst gehabt habe, an seine getöteten Kollegen in Syrien denken musste und an seine Familie. Die Schussverletzung habe er in diesem Moment aufgrund des Adrenalins nicht gespürt. Während die ersten drei Stunden die Armee das Feuergefecht unter Kontrolle hatte habe sich die Situation dann zugespitzt. Die Armeeeinheit wurde in verschiedene kleine Gruppen getrennt und später aufgerieben. So konnten sich die Guerilleros dem Journalisten nähern. Er gab zu erkennen, dass er Zivilist sei und keine Waffe habe, deshalb wurde nicht auf ihn geschossen, sondern er von der Guerilla mitgenommen. 

Weiter beantwortete er Fragen zu den Bildern und Fernsehaufnahmen des Aktes der Freilassung. Viele Bauern in der Region standen mit den Guerilleros beieinander und feierten die Freilassung mit Essen und der Überbringung von politischen Botschaften. Darauf sagte er, dass es in diesen Zonen normal sei, dass sich Bauern und Guerilla kennen. Sie vertrauen einander, mehr als der Armee, denn die Bauern haben Kinder, Geschwister und andere Verwandte in der Guerilla. Solche Zonen gebe es viele in Kolumbien, weil der Staat nicht bis in jene Gebiete kommt. In diesen Zonen sind die FARC-EP praktisch ein Parallelstaat und manchmal wesentlich effektiver als die Regierung. Die FARC-EP sind seit Jahrzehnten in den Regionen aktiv, sie unterstützen die Landbevölkerung, die wiederum die Guerilla unterstützen. Deshalb hat die Armee kein Vertrauen in die Landbevölkerung und die Bauern kein Vertrauen in die Armee. 

Roméo Langlois äußert sich auch zu den Vorwürfen, dass er Sympathie mit der Guerilla gezeigt hätte. Besonders Hardliner wie Ex-Präsident Uribe taten sich dabei hervor. Für Langlois sei es jedoch normal, auch die Politik von Armee und Regierung kritisieren zu dürfen, auch wenn dies viele nicht hören wollen. Auf die Frage nach einem Friedenprozess antwortet er, dass dieser möglich sei, die Schlüssel aber bei der Regierung und der Guerilla liegen würden. Aber der Hass erleichtere diesen Prozess nicht, zudem die Regierung der Guerilla die alleinige Schuld für die Gewalt im Land gebe.